Kein Wettbewerb
Philipp Egger, illustriert von Irina Kruglova.

Kein Wettbewerb

Wie bleiben Stiftungen konkurrenzfähig?

«Konkurrenzfähig» bedeutet, auf dem Markt zu bestehen, erfolgreich zu sein, sich gegen Mitbewerber durchzusetzen, sie auszustechen, zu überholen, besser zu sein. Die Marktmetapher ist für Stiftungen nicht fehl am Platz, die Kernfrage nach der Leistungsfähigkeit stellt sich jedoch je nach Stiftungstypus unterschiedlich. Mittelsuchende Stiftungen etwa stehen in hartem Wettbewerb; sie müssen mit ihren Leistungen laufend überzeugen. Nur so können sie ihre Allokation aus Spendensammlungen oder Subventionsbeiträgen sicherstellen. Bei Förderstiftungen allerdings, die ihre Aktivitäten aus eigenen Vermögenserträgen finanzieren, lautet die Gretchenfrage: Keine Miteigentümer – wie also bleiben Förderstiftungen innovativ?

Die Gründung einer Förderstiftung beruht auf Mut und Erfindergeist. Ein Stifter ist ein «Social Entrepreneur» mit einem den Bedürfnissen der Zeit entsprechenden gemeinnützigen Unternehmensziel. Um dieses im Stiftungsstatut festgelegte Ziel zu verfolgen, hat er einen Vermögensverzicht geleistet. Solange er und seine Mitstreiter aktiv sind, ist für die nötige Getriebenheit gesorgt. Diese Miteigentümerkontrolle ist unbequem, fordernd, vielleicht manchmal sprunghaft, aber immer auf den Stiftungszweck hin fokussiert. Kein Wunder, geht unter Stiftungstechnokraten die maliziöse Weisheit um, wonach nur ein toter Stifter ein guter Stifter sei.

Ist der Stifter verblichen und die Gründergeneration abgetreten, tanzt die Maus: Die Stiftung erlahmt, sie wird durch Stiftungstechnokraten bürokratisiert oder durch Stiftungsräte und Berater ausgenommen. Wie viele Stiftungen unterstützen mittelbar die Interessen von Stiftungsräten? In dieser Hinsicht geniessen Stiftungen in der Schweiz keinen ausreichenden Rechtsschutz – das kürzlich ergangene Bundesgerichtsurteil in Sachen Fondation Susanna Biedermann spricht Bände. Und wie viele Stiftungen richten es sich bequem ein und fördern munter nach dem Motto «More of the same» drauflos? Sie werden bald zu reibungslosen Gliedern in längst etablierten Finanzierungsketten. Damit aber verschwinden: Unternehmergeist, Lust auf Risiko, die «Carte blanche» der Stiftungen. Sie mögen zwar beträchtliche Fördersummen umsetzen, sind aber bedeutungslos geworden. Es ginge auch ohne sie.

«Spending down» ist das geeignete Mittel, um Stiftungsverkalkung vorzubeugen. Es wurde in US-amerikanischen Unternehmer- und Stifterkreisen erfunden und propagiert, bisher zu wenig im erbenlastigen Europa. Zugrunde liegt ihm eine einfache Idee: Eine Förderstiftung bleibt vital, wenn sie Anfang und Ende hat. Als Verbrauchsstiftung stimmt sie ihren Lebenszyklus mit den Unternehmenszielen ab und baut dazu das Vermögen schrittweise ab. Sie ist eine durch und durch unternehmerische und optimistische Organisation: Für eine überschaubare Zeitspanne leistet sie einen aktuell-innovativen Beitrag zur Entwicklung einer robusten Gesellschaft. Gut funktionierende Gesellschaften bringen immer wieder Förderstiftungen hervor. Warum also ewig leben?

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»