John Cleese sehen und sterben
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John Cleese sehen und sterben

Die «Monty Python»-Ikone überschreitet lustvoll alle Grenzen des guten Geschmacks.

 

«Warum bloss bin ich hier in diesem Aussenposten des deutschen Reichs, statt zu Hause meinen Lebensabend zu geniessen?», fragt John Cleese zu Beginn seines Auftritts am Freitag in Zürich. Der Grund sei die Scheidung von seiner dritten Frau, der er 20 Millionen Dollar habe zahlen müssen, erklärt der 82-jährige Comedian. Die Show «Last Time To See Me Before I Die» beginnt mit leichter Verzögerung, die mit einem Herzinfarkt von Cleese begründet wird; ein Arzt, so wird den Zuschauern versichert, habe aber die Auftrittsfähigkeit der «Monty Python»-Legende attestiert.

Der Ton ist damit gesetzt für den Meister des schwarzen Humors – beziehungsweise des «Humour of Colour», wie sich Cleese korrigiert. Dem Briten ist keine Linie zu rot, um nicht überschritten zu werden. «Gerade die sensitiven Themen bringen die Leute am meisten zum Lachen», erklärt er. Tod, Religion, Sex – diese Themen seien stets mit einer gewissen Beklemmung verbunden, und das Lachen werde durch das Lösen dieser Beklemmung verstärkt.

Und so sitzt John Cleese da, reisst politisch inkorrekte Witze und plaudert aus dem Nähkästchen. Das Highlight sind die Fragen aus dem Publikum, denn Cleeses Antworten sind oft noch lustiger sind als seine vorbereiteten Witze.

Dann verabschiedet er sich, wobei er beim Hinausgehen zusammenbricht und für die Standing Ovation mit dem Rollstuhl zurück auf die Bühne gefahren werden muss. Warum bloss kommt einem gerade in diesem Moment der «Dead Parrot»-Sketch in den Sinn?

P.S. Mehr Humoristisches, Philosophisches und Politisches von John Cleese gibt es in der nächsten Ausgabe des Schweizer Monats zu lesen. (lz)

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
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