It’s all about money!

Kernfusion? Schiefergasfracking? Wasser, Wind und Sonne? Nobelpreisträger Steven Chu hat als amerikanischer Energieminister gelernt, worauf es in der Politik ankommt: den Preis. Nun arbeitet er wieder daran, erneuerbare Energien billiger und speicherbar zu machen. Ein Gespräch über den Energiemix der Zukunft.

It’s all about money!
Steven Chu, photographiert von Peter Badge / Lindau Nobel Laureates Meetings.

Herr Chu, Sie sind ein führender Wissenschafter im Bereich der erneuerbaren Energien und haben als amerikanischer Energieminister die Mechanismen der Macht kennengelernt. Wir finden, dass Sie damit bestens geeignet sind, die grosse Frage zu beantworten: Welches wird 2050 der wichtigste Energieträger sein?

Es wird eine Mischung sein, und deren Zusammensetzung wird davon abhängen, wo Sie Ihren geographischen Lebensmittelpunkt haben: In einigen Gebieten wie Norddeutschland oder South Dakota wird die Windenergie dominant sein, in Regionen wie der chinesischen Provinz Qinghai, Kalifornien oder Spanien Solarkraft. Ich bin optimistisch: Bis in ein paar Jahrzehnten werden erneuerbare Energien genauso billig oder gar billiger sein als fossile Brennstoffe – und damit wettbewerbsfähig.

Nehmen wir an, Sie behalten recht mit Ihrem Optimismus: Werden diese günstigen erneuerbaren Energieträger die fossilen im Konkurrenzkampf ganz verdrängen und wir grossmehrheitlich von erneuerbarer Energie leben?

Zu rund 50 Prozent, würde ich sagen. Die Kosten für die Stromgewinnung aus fossilen Energieträgern liegen sehr tief – 6 Cents pro Kilowattstunde in den USA –, doch glaube ich, dass wir Technologien entwickeln können, die den Preis der erneuerbaren auf ein ähnliches Niveau bringen. Ist das geschafft, dürfte etwa die Hälfte unseres Bedarfs, vielleicht etwas mehr, durch erneuerbare gedeckt werden.

Ist Phantast, wer mehr anstrebt?

Eine signifikant höhere, zumal hundertprozentige Deckung ist sehr unwahrscheinlich. Für Langstreckentransporte, Flugzeuge etwa, werden wir weiterhin Flüssigkraftstoffe brauchen, und egal wie gross die Gebiete sind, in denen man Wind- und Solarkraft gewinnt: Es wird immer Momente geben, in denen kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint. Es gibt auch saisonale Veränderungen, die wir im Kopf haben müssen. In diesen Fällen müssen wir zurückgreifen können auf fossile Brennstoffe oder kosteneffiziente Methoden entwickeln, mit denen erneuerbare Energie in chemische Energie umgewandelt werden kann. Letztere kann dann dazu genutzt werden, Elektrizität zu produzieren. Batterien und andere Formen für Energiespeicherung werden kostengünstiger und ermöglichen innerhalb von 10 bis 20 Jahren, erneuerbare Energieträger vom Tag auf die Nacht umzulagern.

Der Weg der Energie ist immer der Preis?

Definitiv. It’s all about money! It’s always about money! (lacht)

Wie verschiedene Regierungen beweisen, lässt sich der Preis mit politischen Mitteln bestimmen…

Subventionen und andere Anreize sind wichtig, um saubere Energien anzuregen. Aber ich glaube nicht an Subventionen auf unbestimmte Zeit. Sobald es um öffentliche Gelder geht, mag die Politik zunächst pur wirken, doch dann kommen Spezialinteressen ins Spiel und einfache, geradlinige Politik wird kompliziert. Ich weiss, wovon ich spreche (lacht). Die unverfälschteste Form politischen Inputs ist die Regulierung von Gefahren, die zu Schäden führen, welche von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Früher haben etwa Chemiefirmen ihre Abfälle einfach ins Meer oder in Flüsse abfliessen lassen. Und heute brauchen wir unbedingt eine Gebühr auf die Emission von Treibhausgasen, sei es in Form eines Handelssystems oder einer simplen Steuer. Die «Regulierung» besteht darin, eine Gebühr zu erheben, welche die Kosten des Gebrauchs fossiler Brennstoffe in Übereinstimmung mit den dabei für die Gesellschaft anfallenden Kosten bringt. Gleichzeitig bedarf es aber der Forschung und Entwicklung, um saubere Energien zur «low-cost»-Option zu machen; denn wenn sie das nicht sind, werden sich viele Treibhausgasemittenten einfach dafür entscheiden, die verlangte Gebühr zu bezahlen. In der Forschung arbeiten wir deshalb daran, die grünen Technologien so erfolgreich zu machen, dass sie sich finanziell auf dem Markt selber tragen können. Die entscheidende Frage lautet folglich immer: Was braucht es, damit sich private Investoren, der Finanzsektor, für die Sache interessieren?

Kurz und einfach: es geht um die Aussicht, damit innerhalb absehbarer Zeit Geld zu verdienen.

Natürlich. Für einen Investor oder eine Bank ist zentral, dass die unterstützten Projekte innerhalb der vorgesehenen Zeit und des Budgets realisiert werden. Das ist das Verhängnis der Nuklearindustrie in den USA.…

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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