Ist unser Geldsystem das einzig wahre?

Kein Wirtschaftswachstum ohne leichte Inflation. Kein gutes Geld ohne staatliche Garantie. Das sind Gewissheiten unserer Tage. Scheinbare Gewissheiten. Denn alles könnte auch ganz anders sein. Und vielleicht sogar besser.

Auf ewige Zeiten und zu allen Zeiten werthaltiges Geld wäre gutes Geld. Das Problem dabei ist, dass ein solches Versprechen ziemlich totalitäre Voraussetzungen brauchte. Denn liberale, offene Gesellschaften und ihre Institutionen ändern sich, ihre Bürger und Firmen wandeln im breiten Strom der Tagesgeschichte, mit neuen Gütern, Techniken, Mengen. Ist also Inflation ein unausweichliches Schicksal? Durchaus nicht. Und es ist auch nicht wahr, dass volkswirtschaftliches Wachstum nur mit leichter Inflation – der «Teuerung» – zu haben ist. Das beweist die Geschichte. Der grosse Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts und bis 1914 kam unter dem Goldstandard mit stabiler Währung zustande.

Umso erstaunlicher mutet es an, dass die Frankenmünzen, die ja immer noch zirkulieren, seit 1914 90 Prozent ihrer Kaufkraft verloren haben – allein seit 1966 zwei Drittel. Auch der Euro verlor in nur zehn Jahren einen Fünftel seines Wertes. Andere Länder entwerteten ihr Geld im 20. Jahrhundert noch viel dramatischer; die Münzen und Notenwerte wurden mehrmals um viele Nullen zurückgestellt und ausgewechselt. Und damit nicht genug. Mit den gigantischen Geldspritzen anläss-lich der Finanzkrise 2008/2009 drohen die Staaten eine neue Inflationsspirale in Gang zu setzen.

Solche grossen und kleinen Inflationen übervorteilen den Sparer und Rentner, begünstigen die Sachwertbesitzer, leiten Ressourcen an falsche Orte («Betongold» in Immobilien); sie sind kaum konstantzuhalten und zu bremsen; sie reduzieren vertraglich abgemachte Leistungen zu einem Fetzen Papier; sie begünstigen den Staat als Schuldner; sie zentralisieren die Gesellschaft wegen der Notmassnahmen und Kontrollen, die nötig werden.

Das menschliche Gedächtnis ist nicht besonders gut. Ich möchte deshalb einleitend ein kleines Panorama der Papiergeldtricks präsentieren.

• Mit den Kriegserklärungen 1914 beschloss der deutsche Reichstag auch, dass die Reichsbank die Wechsel der Reichsregierung unbeschränkt belehnen solle. Damit wurde die Rüstung gratis, denn sie wurde lediglich mit steigenden Papiermengen bezahlt. Als 1923 nach der Hyperinflation zwölf Nullen der Noten gestrichen wurden, sank die Kriegsschuld des Reiches von 150 Milliarden alter Reichsmark auf 15 Pfennig neuer Rentenmark.

• Nach dem Ersten Weltkrieg versuchten die meisten Länder, ihre Währung wieder auf Gold zu gründen – jede Note konnte in Goldmünzen getauscht werden. Als der Dollar in der Weltwirtschaftskrise 1934 zu hoch bewertet erschien, verbot Präsident Franklin D. Roosevelt den Bürgern den Besitz von Gold. Es musste abgegeben werden, dann wertete er den Dollar gegenüber dem Gold ab, das nun nur noch im Besitz der Regierung war.

• Im August 1971 sistierte Präsident Richard Nixon den Umtausch der von ausländischen Notenbanken gehaltenen Dollarguthaben in Gold. Der 1944 errichtete Gold-Devisen-Standard fiel dahin (Bretton Woods), und Länder, die im Vertrauen darauf Dollars anstelle von Gold in ihren Reserven angehäuft hatten, verloren diese Deckung mit einem Federstrich.

• Argentinien setzte seiner Hyperinflation 1991 ein Ende, indem jeder Peso gegen einen Dollar frei austauschbar wurde und beide Währungen im Lande zirkulierten («currency board»). Die Zentralbank musste so viel Dollar in Reserve haben, wie sie Peso ausgab. Doch die Regierung bediente sich mit einem Drittel dieser Reserven und gab dafür blosse Schuldscheine in die Zentralbank, dann verschuldete sie sich weiter international. Als die Lage unhaltbar wurde, fror die Regierung alle Dollarkonten ein und gab den Pesokurs frei. Der Peso wertete sich sofort um 75 Prozent ab, weil alle Bürger sich wieder Dollar beschaffen wollten. Sie verloren aber damit drei Viertel ihrer Guthaben, und die Inflation ging erneut los.

• Als die Banken, die Privatanleger und die Firmen einander nach dem Lehman-Brothers-Konkurs im September 2008 kein Geld mehr anvertrauten, deckte die amerikanische Notenbank von März bis Spätherbst 2009 das aufgeblähte Staatsdefizit mit neugedrucktem Papiergeld. Der Staat brauchte keine Anleihen mehr über die Kapitalmärkte auszugeben und Zinsen zu offerieren, die die Bürger, Pensionskassen, Banken als genügend erachteten. Er konnte mit der…

«Die Zeitschrift für unabhängige
und selbstverantwortliche Individuen!»
Werner Kieser, Unternehmer,
über den «Schweizer Monat»