Ist Gold das bessere Geld?

Weltbankchef Robert Zoellick hat eine Debatte über die Rückkehr zum Goldstandard lanciert. Eigentlich interessant. Doch nun gewinnen die Skeptiker wieder die Oberhand. Was taugen deren Vorbehalte?

Vorbehalt I.  Jede internationale Währung muss mit dem globalen Handel Schritt halten können. Das kann Gold nicht leisten, denn das Wachstum der Goldmenge (durch Förderung) hält nicht Schritt mit der Zunahme des internationalen Handels.

Geld ist das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Es ist kein Konsum- oder Investitionsgut, sondern ein Tauschgut. Seine Vermehrung bringt keinen allgemeinen Nutzen. Steigt die Geldmenge an, so vermindert das notwendigerweise nur die Kaufkraft des Geldes. Es lässt sich kein notwendiges ökonomisches Gesetz formulieren wie: «Die Geldmenge muss wachsen, damit die Wirtschaft wachsen kann.»

Vorbehalt II. Wenn die Geldmenge nicht wächst, kommt es irgendwann zu Geldknappheit.

So etwas wie «Geldknappheit» kann es, recht bedacht, gar nicht geben. Steigt bei gegebener Geldmenge die Geldnachfrage, so bieten die Marktakteure verstärkt Güter gegen Geld an. Die Preise der Güter sinken so lange, bis die gewünschte Geldnachfrage dem Geldangebot entspricht. Anders gesagt: Bei gegebener Geldmenge und grosser Geldnachfrage steigt die Kaufkraft des Geldes, doch wird es nicht knapp.

Vorbehalt III. Staatliches Geld bewahrt uns vor dem Chaos und ist gerecht.

Staatsgeld wird per Staatsprivileg durch Bankkredite (insbesondere der Zentralbanken) «aus dem Nichts» geschaffen. Es sorgt für eine systematische Begünstigung einiger weniger zu Lasten vieler. Die ersten, die das neugeschaffene Geld ohne produktive Leistung erhalten, profitieren auf Kosten jener, die das neugeschaffene Geld erst zu einem späteren Zeitpunkt erhalten («Cantillon-Effekt»). Insbesondere der Staat selbst und von ihm begünstigte Gruppen profitieren vom staatlichen Geldschöpfungsmonopol. Das Staatsgeld sorgt für Krisen und öffnet dem Ausweiten des Staates zu Lasten der Freiheit der Bürger Tür und Tor. Das staatliche Papiergeld ist unvereinbar mit einer freien Gesellschaft und Marktordnung und deshalb ethisch fragwürdig.

Vorbehalt IV. Der Goldstandard ist ein Relikt aus längst vergangenen Tagen.

Der Goldstandard steht im Kern für Sachgeld: Geld, das von den Bürgern frei gewählt und das durch die Gesetze des freien Marktes produziert wird. Goldgeld kann nicht aufgrund politischer Motive durch eine Zentralbank beliebig vermehrt werden. Die Aversion gegenüber dem Goldgeld ist nicht ökonomischer, sondern politisch-ideologischer Natur. Sie speist sich aus der Auffassung, der Staat müsse die Hoheit über die Geldmenge innehaben und in der Lage sein, die Konjunktur zu steuern, indem er den Geldwert manipuliert.

Vorbehalt V. Der Goldstandard wurde abgeschafft, weil er sich nicht bewährt hat.

Am 15. August 1971 kündigte der amerikanische Präsident Richard Nixon die Verpflichtung, US-Dollars in Gold zu tauschen (Bretton Woods). Die Amerikaner hatten immer mehr Dollars produziert, die nicht durch Gold gedeckt waren. Als die Halter von Dollars von dem Schwindel erfuhren, tauschten sie zusehends ihre US-Dollars in Gold – wobei die Amerikaner schlicht nicht über genügend Goldreserven verfügten. Die letzten Überreste des Goldstandards wurden also abgeschafft, weil sie der Politik – insbesondere der amerikanischen – im Wege standen. Goldgeld ist eben unvereinbar mit Nationalismus, Protektionismus und einer national ausgerichteten Konjunkturpolitik.

Vorbehalt VI. Geld wird zunehmend elektronisch, um der Komplexität der Schuld- und Kreditbeziehungen gerecht zu werden. Physisches Gold aber ist schwer und taugt nicht für die Praxis.

Mit einem Goldgeld wären alle heutigen modernen Zahlungsmitteltechniken verwendbar: Internet-Banking, Schecks, Kreditkarten, Lastschriften etc. Auch im Sachgeldsystem kann es natürlich komplexe Kredit- und Finanzprodukte geben. Der entscheidende Unterschied gegenüber dem Staatsgeld ist ein anderer – dass die Geldmenge nicht mehr durch Kredit «aus dem Nichts» ausgeweitet werden kann. Die Geldproduktion achtet die Eigentumsrechte der Marktakteure. Dieses Prinzip wird im Staatsgeldsystem verletzt, weil es durch Staatsmonopol produziert und durch Inflation laufend entwertet wird.

Vorbehalt VII. Auch mit Goldstandard könnte die Regierung oder ihre Zentralbank das Umtauschverhältnis von Geldeinheit zu physischem Geld verändern und so weiterhin für Inflation sorgen. Der Goldstandard sichert nicht gegen Wertverlust des Geldes.

In einem Sachgeldsystem ist Geld Eigentum des Geldhalters. Im Goldstandardsystem repräsentiert eine…

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