In dieser Ausgabe

Editorial

Editorial

Liebe Leser Seit der Annahme der Anti-Minarett-Initiative wird viel über christliche Werte debattiert. Brauchen wir tatsächlich eine christliche Leitkultur, wie nun viele angesichts der islamischen Herausforderung wollen? Mehr darüber, wie weit Religionsfreiheit gehen soll, lesen Sie ab S. 14 von zwei evangelisch-reformierten Pfarrern. – Und wie weit ist Freiheit überhaupt zumutbar? Ein Streitgespräch mit dem […]

Dossier «Gutes besser tun»

Auftakt

Dagobert Duck, bis vor kurzem auf dem ersten Platz der «Liste der reichsten fiktiven Personen» des Magazins «Forbes», liebt es, kopfüber in seine Geldfluten einzutauchen und darin wonnig zu baden. Zwar wird auch er mehr oder weniger nackt auf die Welt gekommen sein – der Beginn seines Reichtums war ein «Glückszehner», die erste Münze, die […]

Aktuelle Debatten

Kultur

Francesco reist nach Lugano

Um ein Treffen für den diesjährigen Weltbuchtag vorzubereiten, fahre ich ins Tessin; als Begleiter habe ich das neue Werk von Kurt Aebli «Der Unvorbereitete» gewählt. Das Buch hat eine wunderschöne Farbe. Ich hätte gerne einmal ein solches Buch gehabt. Ein Buch, das ich geschrieben hätte. Die Farbe tröstet mich; denn ich muss vier Stunden im […]

Die zwei Leisten des Vallotton

Schuster, bleib bei deinem Leisten, heisst es. Aber keiner hält sich dran. Sänger schauspielern, Schauspieler widmen sich den Sangeskünsten – vermutlich, weil hier die besseren Mädchen abzugreifen sind; andere, wie Herr Schwarzenegger, gehen gar in die Politik. Wer sprechen kann, wird wohl auch singen können. Wer nicht denken kann, kann immerhin politisieren. Kein Biologe käme […]

Ob schweizerisch oder indisch – Schnüffler bleibt Schnüffler

Wer sich heute dem ehrwürdigen Genre des Detektivromans widmet und mehr als eine Kopie sattsam bekannter Vorbilder abliefern möchte, sollte ausser Erzähltalent auch einige originelle Einfälle mitbringen. Der Zürcher Autor Sunil Mann, 1972 als Sohn indischer Einwanderer im Berner Oberland geboren, hatte die naheliegende Idee, einen Sohn indischer Einwanderer in Zürich ermitteln zu lassen. Vijay […]

Heile, heile, Mundart

Dagegen verwahrt sich Andreas Neeser vehement: «Ich bin kein Archivar», sagt er, «ich will keine Wörter vor dem Aussterben retten. Im Archiv stirbt eine Sprache. Lebendig bleibt sie nur draussen, unter den Leuten.» – Oder drinnen, in den Büchern, liesse sich ebenso lebhaft nachtragen. Dann beispielsweise, wenn man sein Mundartbuch «No alles gliich wie morn» […]

Monte Verità im Spiessermuff

Im Inflationsjahr 1923 hat der Verlagsbuchhändler Werner Ackermann genug von Berlin und zieht mit Freunden gen Süden, um die Sehnsucht nach einem freien, besseren Leben nicht zuschanden gehen zu lassen. Er landet dort, wo 1905 schon die vor dem Wilhelminismus geflohenen Naturapostel aus Schwabing gelandet waren, in Ascona. Zwei Jahre kann er sein unter Opfern […]

Verrückt in Gott

Von der Figur eines ihrer Stücke sagt die Autorin Silja Walter, diese erscheine «nur darum ‹verrückt›, weil sie im ‹Dahinter› steht». Ihr selbst ist wichtig, «hinein[zu]schauen in das, was im Geheimnis hinter der Welt und durch sie hindurch wirklich geschieht». Handelt es sich bei dem christlichen Existenzbewusstsein letztlich also um die Spielart eines ganz besonderen […]

Fotoalbum bis 1960

Dies ist keiner jener vielen opulenten coffee-table-Bildbände, die die wenigen noch unberührten Landschaften unseres Landes auf Hochglanzpapier und in optimaler Beleuchtung abbilden und durch solche Inszenierungen das Klischee des Ferienlandes Schweiz bedienen. Es wäre weit eher von einem historischen Bilderbogen zu sprechen, in dessen Mittelpunkt ganz der Mensch bei seinen alltäglichen Verrichtungen in Beruf und […]

Monologe des Betagten

Christoph Simon hat sich mit seinem neuen Roman, obschon nicht ganz neu, so doch ziemlich neu erfunden. Vor allem aber hat er (nach Franz Obrist) einen neuen, wunderbaren Helden geschaffen. Der 87jährige Lukas Zbinden war einst ein passionierter Spaziergänger, melancholischer Witwer, gutgelaunter Betagtenheimgenosse, ehemaliger aufmüpfiger Lehrer und schon viel zu lange unversöhnter Vater. Die mitunter […]

H!

Michel Mettler, bekannt geworden durch seinen Roman «Die Spange», hatte im Dramatiker Felix Kauf schon lange einen Schriftsteller gefunden, mit dem er literarisch korrespondiert. Die Freundschaft zwischen den beiden nahm in der Mitte der Neunzigerjahre ihren Anfang, als sie einander Texte faxten, die der Empfänger weiterführte und anschliessend retournierte. Aus den Faxschreiben wurden später E-Mails, […]

Kein Verlass auf die Impotenz!

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Und das ist, in dem vorliegenden Fall, eine ganze, grosse Lesergemeinde, also wir, die neugieriggewordenen Frisch-Leser und -Liebhaber. Endlich sind sie da, diese «Entwürfe zu einem dritten Tagebuch». Begonnen hatte Max Frisch mit der Arbeit an diesen Aufzeichnungen im Frühjahr 1982. Im April 1983, nach dem Ende […]