In dieser Ausgabe

Editorial

Editorial

«Wer Ohren hat zu hören, der höre», heisst es in Matthäus 11,15. Die Hörverweigerung ist in der Schweiz, gerade in aussenpolitischen Fragen, weitverbreitet. Die diplomatischen Beziehungen zwischen unserem Land und Deutschland haben sich in den letzten Jahren merklich getrübt, auch wenn sich dies nicht alle eingestehen wollen. Der erste offizielle Besuch der deutschen Bundeskanzlerin in […]

Dossier «Schweizer und Deutsche – kennt Ihr euch?»

(0) Auftakt

Man stelle sich vor, die deutsche Elf hätte die Fussball-EM in der Schweiz gewonnen! Die Zeitungen nördlich und südlich des Rheins wären voll gewesen von bösen Anekdoten über Mentalitätsunterschiede, die sich die 200’000 in der Schweiz lebenden Deutschen über die Schweizer und die 70’000 in Deutschland lebenden Schweizer über die Deutschen erzählt hätten. Solche Geschichten […]

(4) Wehret den Schweizern!

Deutsche Schriftsteller und Intellektuelle begegnen dem Schweizertum mit grösster Skepsis, von deutschen Politikern ganz zu schweigen. Einem Schweizer Gelehrten in Deutschland bleibt deshalb kaum etwas anderes übrig, als die ihm zugedachte Rolle zu übernehmen – die Rolle des putzig-polyglotten Eingeborenen aus dem helvetischen Kultursphärenreservat.

Vorschau

Die nächste Ausgabe Das Dossier der Ausgabe September 2008 gilt dem Thema «Das Private, das Weibliche & die Autonomie». Gast in der Galerie ist Annelies Strba. Aus der Agenda 2008/09 «Familie & Politik» «Europa oder EU?» «Mediterrane Welt» «Kunst der Kritik» «Tessin» «Mikrokredite» «La Chaux-de-Fonds» Zuletzt erschienen «Zurück in den Arbeitsmarkt!» «Appenzellerland – klein und […]

Grenzerfahrung
Grenzerfahrung

Geboren und aufgewachsen in Freiburg i.Br., waren mir Basel und Zürich stets näher als Berlin oder Stuttgart, Strassburg oder Brüssel, als Stettin oder Dresden ohnehin. Später dann, mit einer Schweizerin in Berlin lebend, machte einem die einst nahe Grenze in der Ferne das Leben schwer – es war die Zeit vor den «bilateralen Verträgen», und […]

Daniel Borel im Gespräch

Die Computermaus, sagt Logitech-Gründer Daniel Borel, sei wie aus dem Nichts entstanden. Am Anfang war die Gewissheit, an einer Revolution teilzunehmen.
Es folgte eine bewegte Geschichte. Am Ende steht eines der führenden Unternehmen der digitalen Welt. René Scheu traf Daniel Borel in Morges zum Gespräch.

Aktuelle Debatten

Kultur

Von der Kunst, den «Grünen Heinrich» zu lesen. Folge 4

Das Glück des Wissens 1853 schrieb Gottfried Keller an einen Freund: «Ich habe gesehen und gestaunt, wie schlecht und unfähig die Produkte anderer Leute gelesen werden.» Trotz dieser pessimistischen Einschätzung Kellers wurden beide Fassungen des «Grünen Heinrichs» offenbar gut und fähig genug gelesen, um inzwischen zur Weltliteratur zu zählen. Von der Kunst, Gottfried Keller zu lesen, handelt auch eine diesjährige Vorlesung am Deutschen Seminar der Universität Zürich. Wie der Zürcher Germanist Karl Wagner im folgenden erläutert, liegt der Reiz des Romans auch darin, dass er die Wissenschaft und deren Vermittlung literarisch verarbeitet und dabei auch für ein Wissen zuständig wird, von dem die Wissenschaft selbst nichts weiss.

In Afrika mit Max

In Laos begegnete ich einmal zwei jungen Schweden, die sagten, sie wollten auf ihrer Reise durch Südostasien leben wie die Einheimischen. Sie lernten kochen wie Laoten, kleideten sich wie Laoten, nur Bier tranken sie wie Schweden, und so waren sie auch schon ziemlich besoffen, als sie sich in Luang Prabang auf ein selbergebasteltes Floss setzten, […]

In Mundart quer durch die Evangelien

«Nach den vier Evangelien» gearbeitet zu sein, beansprucht Hansjörg Schneiders Dialektstück «Jesus und die drei Mareien», das bis zum 22. März während dreieinhalb Monaten in der Luzerner Mariahilf-Kirche zu sehen war. Der Untertitel verweist auf ein erstaunlich legeres Verhältnis des vor allem seiner Hunkeler-Krimis wegen beliebten Autors zur Eigentümlichkeit der Quellen. Gleich im ersten Satz […]

In Nöten mit der Liebe

Wer würde schon Einspruch erheben, wenn im Titel eines Buches, das «Liebesgeschichten» verspricht, von «Glück» die Rede ist? Denn wer würde das Hochstimmungspaar Liebe und Glück auseinanderdividieren wollen – wenigstens zu Beginn der Geschichten? Und wer schaut deshalb nicht zweimal auf den Titel des neuen «Liebesgeschichten»-Buches von Adolf Muschg, der da heisst: «Wenn es ein […]

In San Francisco mit Milena Moser

«Flowers in your hair» oder «Wie man in San Francisco glücklich wird » ist der neuste Band von Milena Moser. Nach drei Büchern, die von dieser Stadt beeinflusst worden sind – «Bananenfüsse» (2001), «Sofa, Yoga, Mord» (2001) und «Schlampenyoga» (2005) – ist dies nun eine sehr subjektive Aufarbeitung ihrer Amerikaerfahrung. Die Gattung ist schwer zu […]

In Ascona mit Peter und Ursula

Wollte man «Die Welt ist blau» von Victoria Wolff, der Präsentation des AvivA-Verlages folgend, als heiter-erfrischenden Sommerroman aus Ascona lesen und besprechen, so läge man nicht falsch – doch der eigentliche Wert des Buches, die Editionsleistung und die aussergewöhnlich bedachte Gestaltung blieben auf der Strecke. «Also gut, in die Schweiz, ein einsilbiges Wort zwar, aber […]

Im Unklaren mit Grossmutters Vergangenheit

Die alte Dame ist ebenso eigensinnig wie willensstark. Lange hat sie sich bemüht, auch vor sich selbst die ersten Anzeichen einer sich ankündigenden Demenz zu verbergen. Erst als ihre Enkelin sich dazu durchringt, in drastischen Worten auf die abnehmende Hygiene im Haushalt hinzuweisen, beschliesst sie, in ein Heim umzuziehen. Ihr Zustand verschlimmert sich. Bald schon […]

In den Ofen mit den Kleidern!

Erzählend erlebte Welt: welche Stoffe liegen auf der Strasse, welche harren der Erfindung, welche lassen sich nur lesend erfahren? Vierzehn Erzählungen von Silvio Huonder. Ich kenne nichts von seinen Hörspielen und Theaterstücken, nicht seine ersten beiden Romane, aber immerhin «Valentinsnacht», die Geschichte des Fedo Paulmann, der als Meteorologe das Wetter voraussagen kann, sein Leben jedoch […]

Im Paradies ohne Schlange

Beim Rätselraten darüber, wie der Mensch trotz dem Bewusstsein seiner eigenen, unausweichlichen Sterblichkeit munter weiterleben kann, stösst man nicht selten auf den Traum vom Paradies, einen Traum, der einem auch in «Das verborgene Haus» begegnet, in den Texten von Erika Burkart und Ernst Halter sowie den Fotografien von Alois Lang. Wer einigermassen mit dem Werk […]

Im Basler Totengässli mit Wein

Der Name Stefan Brockhoff ist in der Schweizer Literatur weitgehend unbekannt geblieben. Bis vor kurzem erinnerte einzig Friedrich Glauser an ihn, indem er am 25. März 1937 mit Brockhoff über dessen «Zehn Gebote für den Kriminalroman» korrespondierte. Brockhoff hatte eine kurze Anleitung zum Kriminalroman verfasst und bei der Gelegenheit gleich für seine eigenen Werke Werbung […]

Im Leben nach dem Mord

«Ich glaube, es handelt sich um eine einfache Geschichte.» Mit diesem Satz leitet Elisabeth, die Ich-Erzählerin in Mireille Zindels Roman «Irrgast», ihren Bericht ein. Auf einen solchen Beginn folgen unfehlbar Komplikationen – ein Mord. Elisabeth sieht eines Morgens, wie ihr Freund niedergestochen wird: «Da erinnere ich mich, dass ich ihn hatte umbringen wollen. Und ich […]

In der Musse mit Leichtigkeit

Allen Anstrengungen einer ökonomischen Lebensplanung zum Trotz, gehört das Warten zu einer der Grunderfahrungen menschlichen Daseins. Wir warten ständig: auf den nächsten Zug, das Essen im Restaurant, den Beginn des Sommers oder die Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse. Selbst beim Anruf einer Service-Hotline empfängt uns statt der versprochenen schnellen Hilfe meist das vertraute Mantra: «Bitte warten Sie!» […]