In dieser Ausgabe

Editorial

«vorübergehend gleichberechtigt»

Mit unvorhersehbaren Böen brachten die Rechtschreibreform und die bald folgenden Reformen der Reform Ratlosigkeit über die Verlage. Bewährtes wurde zu Bruchholz. Michael Klett, Verleger von Klett-Cotta und des Schulbuchverlags Ernst Klett, berichtet über seine Liebesgeschichte – mit der Sprache – und über den möglichen Ausweg aus der deutschen Sprachverwirrung. Das Gespräch führte Stefan Stirnemann.

Dossier

Lehren aus der Intifada

Die Zweite Intifada ist faktisch zu Ende. Nachhutgefechte wird es weiter geben, Blut wird weiter fliessen. Der Autor versucht ein erstes militär- und nahosthistorisches Fazit, in dem er seine Meinung darlegt, dass die Strategie asymmetrischer Kriegführung für die Palästinenser nicht aufgegangen ist.

L’art pour le service

Die Moderne ist nicht nur die Epoche, in der die Ökonomisierung mehr als je zuvor die Kunst ergriffen hat. Gleichzeitig ist für sie auch die Idee kennzeichnend, Kunst und Autonomie gehörten zusammen. Ein Rückblick in die Geschichte, als die Kunst sich für den Nutzen noch nicht zu schade war.

Kunst als Schmuck hat ausgedient

Grosse Unternehmen kaufen grosse Kunst? Nein, diese Regel gilt nicht mehr. Auch die Kunst muss zur Wertschöpfung beitragen. Nur wenn Lösungen für das Innovationsmanagement, die Corporate Identity, für Raumentwicklung und auch Werbung winken, investieren Unternehmer in zeitgenössische Kunst. Ein Bericht vom Art Consulting in der Praxis.

Kunsterziehung für das Humankapital

Der amerikanische Unternehmer Albert Barnes, der 1922 die Barnes Foundation ins Leben rief, kaufte Kunst, um seine Mitarbeiter zum Weltbürgertum zu erziehen. Durch in Kursen geschultes, analytisches Betrachten der Bilder – nicht etwa nur durch blosses Schauen – sollten die Arbeiter Toleranz lernen, um mit Rassenkonflikten besser umgehen zu können.

Musik als Dienstleistung?

Im Kontext internationaler Organisationen und Regelwerke wird das Produzieren und Reproduzieren von Musik neuerdings als «Dienstleistung»
bezeichnet. Das Nachdenken über die sprachliche Ökonomisierung auch dieses Lebensbereichs
mündet in eine Reflexion über die schwierige Kunst, selber hinzuhören.

Ode, schöner Götterfunken

Hitler liess sie 1936 bei der Eröffnung der Olympischen Spiele aufführen, der Europarat erklärte sie 1972 zur Europahymne. Sie begegnet uns als Filmmusik wie auch als Zitat in Werbung und Popsong. Die Rezeption der von Beethoven in der Neunten Symphonie vertonten «Ode an die Freude» hat eine wechselvolle Geschichte der Vereinnahmung durch Politik und Alltagskultur.

Staat, Markt und Kultur

In der kulturpolitischen Debatte geht es um das Zutrauen zur Fähigkeit des Staates, Kultur zu tragen und zu fördern. Die Staatsgläubigen vertreten ihr Dogma, indem sie jene, die es kritisieren und entlarven, ihrerseits als dogmatische «Marktgläubige» hinstellen. Allein, Kultur ist ihrem Wesen nach näher beim Austausch als beim Zwang.

Die Enteignung der Kultur

Wo Kunsthandel zum Termingeschäft verkommt, läuft letztlich auch die Kunst Gefahr, ihre Stetigkeit als Institution zu verlieren. Der Autor beschreibt eine ungute Entwicklung, deren Ursachen er nicht etwa im Kapitalismus, wohl aber in Auswüchsen neoliberalen Wirtschaftens festmacht.