Ins Glück trotz dickem Hintern

Katharina Wille-Gut: «Der Name der Hose». Oberhofen: Zytglogge, 2008.

Niemand, der Brian De Palmas Filmadaption von Stephen Kings Horrorklassiker «Carrie» gesehen hat, wird je vergessen, was ein geschmackloser Scherz auf einer Schulfeier in der Seele eines weiblichen Teenagers anrichten kann. Über die 14jährige Eveline ergiesst sich zwar kein Eimer mit roter Flüssigkeit, doch die lautstarke, wenig schmeichelhafte Bemerkung, den Umfang ihres Hinterteils betreffend, die sich ein gewisser Patrick während des Oberstufenfestes nicht verkneifen kann, ist in ihrer Wirkung kaum weniger traumatisierend. Zumal es sich bei dem frechen Buben um den heimlichen Schwarm des pubertierenden Mädchens handelt.

Was nun folgt, ist allerdings nicht die Geschichte einer krankhaften Essstörung. Schliesslich befinden wir uns nicht in einem Psychodrama, sondern in einem eher heiteren Erzählwerk mit dem kalauerverdächtigen Titel «Der Name der Hose». Denn Jahre später, die Wunden der frühen Jugend sind längst vernarbt, pflegt Eveline noch immer ihre, wie sie es selbst formuliert, «beträchtliche Macke in Sachen Figur». Sie sucht nach den perfekten Jeans, einer Hose, die so gut sitzt, dass die «viel zu dicken Oberschenkel zu Normalform schrumpfen» und «den Po genau richtig» formen. Und weil Eveline gerade klamm ist, nimmt sie ein solch gutes Stück auch schon einmal mit, ohne zu bezahlen. Dies wird ihr zu Beginn der Erzählung zum Verhängnis. Von einer Ladendetektivin ertappt, kann sie in einer slapstickreifen Szene nur unter Zurücklassung ihrer Handtasche entkommen. Ohne Wohnungsschlüssel und Geld schmeckt die soeben gewonnene Freiheit nur halb so gut, vor allem, wenn man, wie Eveline, davon überzeugt ist, dass sich die Polizei bereits an ihre Fersen geheftet hat.

Eine hübsch verfahrene Ausgangssituation also, die einiges an komischem Potential in sich birgt. Doch leider haben wir es bei Eveline mit einer Erzählerin zu tun, deren Mitteilungsbedürfnis unerschöpflich zu sein scheint. Dabei besitzt die Handlung, die sich die unter dem offensichtlichen Pseudonym Katharina Wille-Gut schreibende Autorin zusammenfabuliert hat, durchaus das Zeug zu einer ansehnlichen Fernsehkomödie, vorausgesetzt ein begabtes Filmteam bemächtigt sich ihrer. Evelines Hosentick erweist sich nämlich nicht nur im negativen Sinne als schicksalhaft; denn am Ende darf unsere Heldin nicht nur als Modeschöpferin reüssieren, sondern findet auch noch ihr ganz privates Glück als Ehefrau und Mutter, übrigens nachdem sie ihre kurze Karriere als Unternehmerin beendet hat. Dass sie nebenbei ihren Traummann mit detektivischem Geschick aus den Fängen einer gerissenen Betrügerin befreit, verleiht dem Hosenmärchen eine ganz besondere Note. Was dessen Verfilmung betrifft, möchte ich mich allerdings korrigieren. Wer einen Eindruck davon gewinnen will, wie eine kongeniale Umsetzung dieses Buches aussehen könnte, sollte unbedingt den Fernseher anstellen, wenn wiedereinmal eine der noch immer beliebten Hollywood-Komödien aus den frühen Sechzigern mit Doris Day und Rock Hudson gezeigt wird.

vorgestellt von Joachim Feldmann, Recklinghausen

«Der Entkalker fürs Hirn:
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Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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