In welcher Art von Wirtschaft möchten Sie leben?

Kennen Sie die Elben aus Tolkiens «Herr der Ringe»? In ihrer Gesellschaft wird wenig Neues, dafür Hochwertiges produziert; die meisten Gegenstände sind halt- und mehrfach vererbbar – die Elben leben in Frieden, geniessen hohe Lebensqualität trotz wenig Wirtschaftswachstum! Ganz anders im nahen Mordor: obwohl auf dauerndem Expansionskurs und mit einem Bruttosozialprodukt, das jeden BRICS-Staat erröten […]

In welcher Art von Wirtschaft möchten Sie leben?

Kennen Sie die Elben aus Tolkiens «Herr der Ringe»? In ihrer Gesellschaft wird wenig Neues, dafür Hochwertiges produziert; die meisten Gegenstände sind halt- und mehrfach vererbbar – die Elben leben in Frieden, geniessen hohe Lebensqualität trotz wenig Wirtschaftswachstum! Ganz anders im nahen Mordor: obwohl auf dauerndem Expansionskurs und mit einem Bruttosozialprodukt, das jeden BRICS-Staat erröten lässt, geht es den Bewohnern dreckig.

Tolkiens Geschichte ist auch eine Geschichte der Menschheit: Von Anfang an bestand diese nämlich in einer Bewegung vom Materiellen zum Abstrakten. Zu Beginn war es zentral, «Things» zu kontrollieren und zu besitzen: Jagen, Sammeln, Acker- und Bergbau. Später wurde es wichtiger, die Wege der Dinge, nicht mehr die Dinge selbst zu kontrollieren. Darauf folgte das Zeitalter der Massenproduktion und mit ihm eine zunehmende Spezialisierung. Willkommen in der Ära der «Thinks», die unsere Lebenswelt charakterisiert: Wer gute Ideen hat, kann sehr viel Gewinn erwirtschaften, sei er Anwalt, Ökonom, Designer oder Programmierer. Nun stehen wir aber an der Schwelle zu einer Epoche der «Non-Things» und «Non-Thinks».
Sie liesse sich trefflich als «Ära des Kindes» beschreiben. Alles, was ein Kind auszeichnet, wird auch diese Ära auszeichnen: Ein Kind ist unbekümmert, verspielt, abenteuerlustig und gefühlvoll. Es ist Neuem gegenüber aufgeschlossen. Ein Kind führt keine Kriege, kann niemandem lange böse sein und nimmt höchstens an lokalen Scharmützeln teil. Gibt man einem Kind die Süssigkeit, um die es bettelt, tanzt es davon und sucht sich den nächsten naheliegenden Reiz. Kinder sind pflichtvergessen und verliebt in eigene Phantasiewelten – das alles, weil sie es sich leisten können, ihre materiellen Bedürfnisse gedeckt sind, sie also ihre Ressourcen anderweitig investieren können. Wie die Elben. Unsterblich wie diese werden wir auch in der kommenden «Ära des Kindes» nicht – dafür wird unser kurzes Leben aber lebenswerter.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»