In San Francisco mit Milena Moser

«Flowers in your hair» oder «Wie man in San Francisco glücklich wird » ist der neuste Band von Milena Moser. Nach drei Büchern, die von dieser Stadt beeinflusst worden sind – «Bananenfüsse» (2001), «Sofa, Yoga, Mord» (2001) und «Schlampenyoga» (2005) – ist dies nun eine sehr subjektive Aufarbeitung ihrer Amerikaerfahrung. Die Gattung ist schwer zu bestimmen und der Inhalt ist ein Mélange von Tagebuch, Reisejournal, historischen und touristischen Informationen, Kurzgeschichten mit vielen Klischees, die jedoch meist, durch die Reflexion der Autorin über kulturelle Differenzen, weiblich raisonnierend abgebaut werden. Die im Laufe der Amerikaaufenthalts zwischen 1998 und 2006 gesammelten Eindrücke sind genussreiche Unterhaltung sowohl für Amerikakenner wie auch für Neuankömmlinge. Die meisten Kapitel enden mit «Abstechern», einer Sammlung touristischer Informationen über kuriose Geschäfte, Krämerläden, wunderliche Motels, Cafés, Restaurants, ausgefallene Museen und Kirchen, Sehenswürdigkeiten oder Partyadressen einschliesslich der Telefonnummern und Webadressen.

«In acht Jahren hat sich jedes Vorurteil, das ich von Amerika hatte, bestätigt. Und gleichzeitig widerlegt. Wenn ich ein Fazit ziehen müsste, wäre es das: Amerika ist alles und das Gegenteil von allem. Amerika ist anders.» Spontane Äusserungen und eine hüpfende Narrative dominieren den typischen und didaktisch-vermittelnden Moser-Stil. Die Autorin beschreibt, fotografisch genau, ihre Lieblingsstrassen und -quartiere, bald als Beobachterin, bald als Akteurin im Pyjama , und es entstehen ansprechende Bilder der schwulen Stadt, der literarischen Stadt, von Schulen und einer Armenklinik, von Obdachlosen und Künstlern, von dem noch vorhandenen hippie spirit und von allem, was anders ist, von Amerika also und von den Amerikanern. Das Auswandern, das Fremde, von der Erfahrung der eigenen schweizerischen Sozialisation Abweichende hat sie befreit, verändert und global emanzipiert. Im Vergleich zu ihren männlichen Schweizer Kollegen, die ihre Erfahrungen einer tristen amerikanischen Realität literarisch verarbeiteten – wie etwa Jürg Federspiel in «Museum des Hasses. Tage in Manhattan» (1969), Max Frisch in «Montauk» (1975) und Hugo Loetscher in «Herbst der grossen Orange» (1982) – ist «Flowers in your hair» die Darstellung eines liebenswerten und menschlichen Amerika aus weiblicher Sicht. Komparatistisch lassen sich viele Gemeinsamkeiten mit Max Frischs subjektiven Flashbacks und Textmontagen in «Montauk» finden. Doch Milena Mosers Buch wird von der nichtantagonistischen Gesellschaftskritik einer Frau bestimmt. Ihre Texte fordern eine Umwertung in der Hierarchie der Wertmassstäbe für die Literatur.

vorgestellt von Margrit V. Zinggeler, Michigan

Milena Moser: «Flowers in your hair». München: Blessing, 2008.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»