«In Rente gehen, wann ich will»

Baptiste Wicht

Von Baptiste Wichts Buchführung könnte sich manch ein Grosskonzern eine Scheibe abschneiden. Monat für Monat notieren der 32-Jährige und seine Frau akribisch Einnahmen und Ausgaben, Anlagerendite und Sparquote. Letztere beträgt aktuell rund 50 Prozent – diesen Anteil des Haushaltseinkommens legen sie zur Seite. Wichts Ziel: Spätestens mit 50 will er genug Geld auf der Seite haben, um in Ruhestand zu gehen.

Für Wicht, der im Kanton Freiburg lebt und als Softwareentwickler für eine internationale Firma arbeitet, geht es dabei um Unabhängigkeit. «Es ist nicht so, dass ich meinen Job nicht mag. Doch die Vorstellung gefällt mir, dass ich dann in Rente gehen kann, wann ich will.»

Um sein Ziel zu erreichen, hat er die Ausgaben auf das reduziert, was er wirklich braucht. So verzichtet er auf ein TV-Abo, fährt ein kleines, sparsames Auto und vergleicht regelmässig Versicherungs- oder Kreditkartenangebote.

Wicht ist Teil der sogenannten FIRE-Bewegung. Die Abkürzung steht für «Financial Independence, Retire Early» ­(finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand). Die Idee besteht darin, möglichst schnell ein Vermögen aufzubauen, das gross genug ist, damit man von den Kapitalerträgen ­leben kann. Dabei wird oft die «4-Prozent-Regel» angewendet: So hoch sollte die jährliche Rendite auf dem Vermögen sein, die im «Ruhestand» den Lebensunterhalt deckt. Wicht kalkuliert etwas konservativer mit 3,5 Prozent.

Welche Rolle spielt dabei die gesetzliche Altersvorsorge? «Mit der AHV rechne ich nicht», erklärt Wicht. Das System der ersten Säule sei nicht nachhaltig; er wisse nicht, ob sie noch existiere, wenn er das gesetzliche Rentenalter erreiche. Bei der zweiten Säule plant er, sich sein Alterskapital auszahlen zu lassen. In die Säule 3a zahlt er jedes Jahr das Maximum ein und legt das Geld in Aktien an.

Doch geht nicht die Lebensqualität verloren, wenn man derart pingelig auf Einnahmen und Ausgaben achtet? Nein, findet Wicht. «Den grössten Teil unserer Einsparungen erzielen wir, indem wir für die gleichen Leistungen weniger ausgeben.» Er glaubt, trotz Sparsamkeit noch immer zu viel zu konsumieren. «Aber ich konsumiere bewusster.»

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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