«In Kleinhüningen sind Bomben gefallen!»

Die 1980er mal anders: Engholm wird deutscher Bundeskanzler, Blocher von Nationalisten erschossen – und sowjetische Panzer rollen Richtung Gotthard. Wieso der Schriftsteller Urs Zürcher schon in seinem Debüt erheblichen Unfrieden vor der eigenen Haustür stiftet.

«In Kleinhüningen sind Bomben gefallen!»
Urs Zürcher, photographiert von Michael Wiederstein.

Herr Zürcher, Ihr literarisches Debüt «Der Innerschweizer» ist soeben erschienen. Ein überraschendes Highlight des Schweizer Literaturfrühlings – und ein Tagebuchroman, in dem der Ich-Erzähler U. die Jahre von 1979 bis 1989 beschreibt…

…bewegte Jahre in Europa, auch in der Schweiz und ohnehin in Basel, wo der Roman spielt!

Richtig. Es geht um den Kalten Krieg, um Studentenunruhen und um eine immer weiter von den historischen Fakten abweichende Realität. Nach und nach schleicht sich eine Art parallele Historie in den Plot ein – sie gipfelt in einem Krieg, in den die Schweiz hineingezogen wird. Da drängt sich mir die Frage auf: Waren Ihnen die 1980er nicht spannend genug?

(lacht) Doch, doch. Die Zeit war sehr bewegend und aufregend, ich habe sie ja selbst miterlebt. Aber Literatur ist immer ein Spiel mit der Realität. Ich habe beim Schreiben des Romans die historischen Fakten als Grundlage, mehr noch: als Spielanlage verstanden und den Kalten Krieg und die zunehmende politische Radikalisierung in der Schweiz als Motor einer Entwicklung, die tatsächlich nie so stattgefunden hat. Ich wanderte also erst allmählich mit dem Tagebuchschreiber U. in die Fiktion hinein, die sich zunehmend mit der sogenannten Realität verzahnt. Dieses Spiel mit der Realität ist, so glaube ich, eine der zentralen Motivationen für alle Künstler. Die Wirklichkeit im Spiegel ihrer Möglichkeiten erscheint schillernder, vielschichtiger und – vielleicht – wirklicher.

Entstanden ist eine Art 700-Seiten-Super-Slow-Motion einer Schweiz auf dem Weg in den Krieg. Ein ziemlich fernes Thema für die friedliche Eidgenossenschaft: Krieg existiert realiter für die meisten Schweizer nicht.

Dass sich die Schweiz in einem Krieg befinden kann, ist tatsächlich die Denkunmöglichkeit dieses Landes. Man kauft zwar neue Kampfflugzeuge und Militärgerät, freut sich folkloristisch an der Armee – aber: dass hier jemand einfallen könnte oder gar die Schweiz andernorts einmarschieren könnte, das glaubt niemand. Diese Denkunmöglichkeit lohnt sich also zu denken und damit zu erschüttern.

Bis es in Ihrem Roman zum Krieg kommt, dauert es ein paar hundert Seiten. Interessant ist die Grauzone auf dem Weg dahin: Was als leiser Zweifel am Geisteszustand des Chronisten beim Wiedergeben historischer Ereignisse beginnt, legt schon bald die Stirn des Lesers in Dauerfalten: Der deutsche Kanzler Helmut Schmidt stirbt in den frühen 1980ern, in der Schweiz finden zu dieser Zeit Jugendunruhen statt, nicht nur in Zürich, sondern auch im Tessin. Und als die Sowjets schliesslich Teile Süddeutschlands einnehmen, rückt sogar die SVP nach «links-national» und strebt einen Sonderfrieden «mit Teilen des östlichen Blocks» an.

…und Träger der Geschichte bleibt die ganze Zeit über ein handfester junger Mann in einer Studenten-WG in Basel, die tatsächlich existiert haben könnte und aus der heraus eben dieser Tagebuchschreiber U. von Wehwehchen und vom Weltgeschehen gleichermassen berichtet: Er verliebt sich, mehrfach, sucht Arbeit, spricht mit den Nachbarn, stellt sich seine erste eigene Bibliothek zusammen, sagt sich zunehmend vom bürgerlichen Elternhaus in der Innerschweiz los, weiss auch irgendwann, wie man «Foucault» schreibt, und muss sich politisch plötzlich einordnen. In seinem neuen Milieu ist er gezwungen, eine politische Haltung zu entwickeln. Anfangs findet er die moderat links. Ehe er sich versieht, findet er sie dann stramm links – und bald schon pflegt er Kontakte zu den Überbleibseln der deutschen RAF. Zwar ist das alles Fiktion, die Zeit des Kalten Kriegs hat einem aber, zumindest in der Schweiz, auch historisch keine grosse Wahl gelassen: Die Blockbildung war so stark, dass man als politisch interessierter Zeitgenosse beinahe gezwungen wurde, sich dem einen oder anderen Flügel anzuschliessen. Neutral mag die offizielle Schweiz sich gegeben haben – aber die Einwohnerinnen und Einwohner konnten kaum neutral sein.

Sie selbst sind heute 50, haben den Kalten Krieg also als junger Mann erlebt. Vielleicht können Sie uns diese Atmosphäre noch etwas anschaulicher rekapitulieren?

Heute macht es ja manchmal den Anschein, als sei die Schweiz – wie bei so vielen weltpolitischen Geschehnissen – im Kalten Krieg unbeteiligt gewesen. Das stimmt nicht, denn die Schweiz war ja gerade mittendrin: Die Fronten zwischen links und rechts gingen auch mitten durch die Gesellschaft, zum Teil sogar durch einzelne Familien hindurch. Für die Bürgerlichen war der Kommunismus dabei das, was im Katholizismus der Teufel ist. Und für die Kommunisten galt das umgekehrt für jeden, der bourgeoise Anzeichen zeigte. Ideen, die nicht ins eigene Denkschema passten, wurden auf beiden Seiten tabuisiert.

Konkreter?

In bürgerlichen Kreisen fiel jedes Abweichen vom Schweizer Status quo schon in die Kategorie «Kommunismus»: Wer irgendwo Tempo-30-Zonen einrichten wollte, war also schon fast Kommunist. Oder: du bist Velofahrer? Du wirst bespitzelt! Denn: damit bist du Autofeind und Industriefeind und Landesfeind und Kapitalismusfeind – also Kommunist. Beweiskette geschlossen. Ein argumentativer Austausch, der über die Grenzen der Ideologien hinweg hätte stattfinden können, existierte kaum.

Das Bedrohungspotential der UdSSR mit ihrer aggressiven Rhetorik, ihrer Armee und den Arbeitslagern ist heute in Westeuropa fast vergessen – ganz anders aber die Entweder-oder-Lösungen: Ein «Geh doch, wenn’s dir nicht passt!» bekommt man auch als Liberaler in diesen Tagen wieder öfters zu hören. Wie aktuell ist der Kalte Krieg im mentalen Haushalt der Schweizer?

Es hat sich was geändert: In den 1980ern hiess das «Geh doch!» noch «Moskau einfach». (lacht) Aber im Ernst: Das Schwarz-Weiss-Denken ist wieder – oder immer noch – salonfähig. Die, die den Kalten Krieg in der Schweiz aktiv miterlebt haben, also die «Generation 45+», sitzen heute an vielen wichtigen Schaltstellen der Gesellschaft. Und mit ihnen sind nicht selten auch die Fronten und Ideen des Kalten Krieges noch sehr präsent: In bürgerlichen Kreisen ist man auch heute noch rasch pauschal ein «Roter», wenn man das Militär in Frage stellt. Und in der Linken ist das «Kapital» weiterhin die Wurzel allen Übels. Interessant ist, wie sich Russland entwickelt hat. Nehmen Sie den aktuellen Krim-Konflikt: Die Reden Putins strotzen vor Reminiszenzen an den Kalten Krieg: «Aufrüstung», «West-Ost-Konflikte», «nationale Erbauung», «Stärke zeigen», «keine Abweichler dulden». Alles wie vor 30 Jahren – das Personal ist gealtert, Ideologie und Vokabular aber sind vital wie eh und je.

Für Russland mag das zutreffen. In der Schweiz interessiert sich seit dem Fall des Eisernen Vorhangs aber doch niemand mehr für die grossen politischen Ideologien…?

Für die alten Ideologien vielleicht weniger, wir reden aber vom Prinzip: Das wieder salonfähige politische Gut-Böse-Schema hat quasireligiöse Wurzeln, macht also die Welt für jene, die sie für zu kompliziert halten, einfacher. Das ist ja per se nichts Furchterregendes. Aber vergessen wir nicht: Ein Megadiskurs wie der Kalte Krieg braucht, genau wie z.B. der Nationalsozialismus in Deutschland, einen gesellschaftlichen Nährboden, um sich erst entwickeln zu können. Nationale Überlegenheit, das «richtige» System: simple Gut-Böse-Denkschemata können diesen Nährboden bereiten. Heute verlaufen die Trennlinien nicht mehr zwischen oben und unten, werden also nicht mehr über die «Klassenfrage» – vertikal – definiert, sondern über das Drinnen und Draussen – horizontal –, das heisst mit Hilfe eines nationalistischen Diskurses. Insofern ist «Der Innerschweizer» auch ein sogenannt «politisches Buch», sogar im doppelten Sinne: In fast jedem Tagebucheintrag von U. steckt die Gut-Böse-Tagespolitik der 1980er, die tatsächliche oder die fiktive. Und das Buch reflektiert die politischen Schablonen, die uns scheinbar das Denken abnehmen, vereinfachen – aber auch denkfaul machen. Es stellt die Fragen: Wie funktioniere ich in einer Gesellschaft, die sich – zum Teil rasant – verändert? Wie stehe ich dem Wandel gegenüber? Welche Radikalisierung kann ich mittragen? Welche muss ich ablehnen?

Sie selbst haben mit Ihrem Tagebuchschreiber U. nicht bloss den Anfangsbuchstaben des Vornamens gemeinsam, sondern auch die Herkunft und die politische Sozialisierung im Studentenmilieu. Wie stand es dort in den 1980ern mit dem freien Austausch der Argumente?

Zunächst: Meine Studentenzeit ist nicht deckungsgleich mit der des Protagonisten, ich kam erst Ende der 80er Jahre nach Basel, war also schon «sozialisiert», bevor ich mit dem linken studentischen Milieu in Kontakt kam. Der Austausch der Argumente war insofern nicht frei, als dass man sich in der jeweils ziemlich hermetischen Sphäre befand, die wenig Spiel- oder eben Denkraum zuliess, der die Grenze dieser Sphäre überschritt. Polare Denkstrukturen erlauben es, die Welt schnell und einfach zu beurteilen, die Komplexität kann auf ein scheinbar überschaubares Mass reduziert werden – deshalb sind sie so attraktiv. Und deshalb waren auch die Begriffe «Bürgerlicher» oder «Faschist» schnell zur Hand. Sie dienten zur Markierung dieser Grenze, die immer auch eine soziale war. Das heisst: bei Dissidenz drohte sozialer Ausschluss.

Nun kennen Sie den Kalten Krieg in Basel nicht nur aus erster Hand, er ist auch noch Ihr wissenschaftlicher Gegenstand, Sie sind nämlich eigentlich Historiker. Wie sind Sie bei der Verfertigung Ihres ersten Romans, der vor Tagesmeldungen im Tagebuch nur so strotzt, vorgegangen?

Mit dem «Innerschweizer» habe ich nichts anderes gemacht, als die Geschichte – die 1980er Jahre – literarisch zu untersuchen. Ich habe in der Universitätsbibliothek recherchiert, so lange jedenfalls, bis ich gänzlich in der Fiktion angelangt war und nicht mehr auf die sogenannte Wirklichkeit zurückgreifen musste. Ich habe die Zeitungen gelesen, herausgesucht, was passierte; U. zitiert deshalb ausgiebig die NZZ, auch weil sie die ideologische Speerspitze des liberalen Antikommunismus war, irgendwie ein eigenes Genre der «Literatur» des Kalten Krieges. Viele der realen historischen Entwicklungen finden sich im Buch – mehr und mehr verfremdet natürlich. Auch die NZZ. Das einzige, was wirklich bis zum Kriegsbeginn durchweg verlässlich ist, sind die Angaben zum Wetter. Die stimmen Tag für Tag.

«Literarisch untersucht», das klingt schön. Aber was bedeutet es denn genau?

Indem ich dem Roman eine pseudohistorische Chronologie zugrunde gelegt habe, habe ich die Geschichte mit der kontrafaktischen Frage konfrontiert: Was wäre, wenn…? Das ist mehr als ein Spiel, denn dahinter verbirgt sich die Annahme, dass die Geschichte kontingent verläuft, das heisst: Nichts ist notwendig, nichts ist unmöglich. Die Geschichte kennt keine Linearität, kein Ziel, sie folgt keiner Logik. Insofern ist die Geschichtsschreibung mit der Literatur verwandt. Im Roman berühren sich zwei im Prinzip weit voneinander entfernte Linien, der globale Megadiskurs Kalter Krieg und das Leben irgendwo in einer studentischen WG. Das Unerhörte besteht nun darin, dass die Mikroebene durch einen Zufall die Makroebene beeinflusst und in Bewegung bringt, was schliesslich zur Katastrophe führt.

Ein terroristischer Anschlag der Studenten geht schief – und löst eine Kette weltpolitischer Ereignisse aus, die letztlich zum Kriegsausbruch führen. Ist es aber nicht ohnehin so, dass Geschichtsschreibung subjektiv ist – auch wenn sie ohne explizite «Was wäre, wenn…?»-Anordnung operiert? Ist nicht jeder Bericht über eine Zeit auch stets ein Stück weit literarisch?

Geschichtsschreibung ist Beschreibung der Welt. Und sobald sich das zwischen zwei Buchdeckeln findet, ist das Literatur, hinter der stets Intention, Leben, Meinung, kurz: Subjektivität des Historikers steht. Richtig. Was dann vorliegt, ist ein Narrativ, das in einer nicht exakten Wissenschaft wie der Geschichtswissenschaft untersucht und ergänzt oder wieder verworfen wird.

Das Narrativ Ihres Erstlings ist recht komplex gestrickt: Es hat quasi drei doppelte Böden bzw. eigentlich drei Erzähler: zunächst einen Tagebuchschreiber U., dem man zu glauben geneigt ist, dass sein subjektiv-ehrliches Tagebuch die Realität auch abbildet. Dann die Vorrede eines namenlosen Regierungsspitzels, der die Tagebuchseiten hin und wieder kommentiert und korrigiert – und dann auch noch einen Kommentar vom Autor, der versichert, das Tagebuch sei ihm von eben diesem Spitzel zugespielt worden, um damit an
die Öffentlichkeit zu gehen. Wieso dieses Versteck- und Verwirrspiel?

Die doppelten Böden führen den Leser fast zwangsläufig zu der Frage: Wem traust du hier am ehesten? Die Frage bildet die Stimmung der 1980er wunderbar ab: Fichenaffäre, Studentenunruhen, Verschwörungen – da hat jeder seine eigene Agenda. Vertrauen ist ein rares Gut. Wem trauen Sie denn in der Anlage am ehesten?

Paradoxerweise: dem Spitzel.

Eben: dem schweizerisch-bürokratischen Pedanten. (lacht) Denn, natürlich, er korrigiert den zunehmend in eine radikale Ecke abdriftenden Chronisten, setzt dessen Euphorie und Verstörung wieder ins «richtige» Licht. Meint man. Aber: kann man dem Spitzel trauen?

Natürlich nicht.

Und genau darum geht es: Vermittelt U. eine gewisse Authentizität, so vermittelt der Spitzel eine Art vermeintliche Objektivität. Das gibt einen Konflikt, eine Rivalität der Erzähler, der Authentizitätsinstanzen. Und wenn dann auch noch der Autor das Spielchen mitspielt, ist hier keiner Erzählinstanz mehr zu trauen. In der entstehenden Gemengelage ist es also einzig am Leser, abzuwägen, wem an welcher Stelle vertraut werden kann. Es wird klar: Objektivität, ja «Wahrheit» existiert zwischenmenschlich nicht. Das Bestreben nach Objektivität ebnet Differenzen ein, vertuscht sie. Entscheiden, wem zu trauen ist, muss man immer selbst. Das übernimmt keine Partei und auch keine Ideologie für Sie.

Am wenigsten traue ich bei der ganzen Sache aber Ihrem Chronisten und Titelhelden, dem «Innerschweizer».

Der Titel des Romans ist mehrdeutig. Im urbanen Raum der Schweiz wird mit der «Innerschweiz» ja gern die konservative Schweiz bezeichnet, die, die sich nie bewegt und die mehrheitlich alles gern wieder so hätte, wie es in einem unbestimmten «Früher» mal war. Ein Chronist, der aus diesem ländlichen Raum kommt, sich politisch wandelt und dann im urbanen Grenzgebiet zu Deutschland zum Berichterstatter eines hereinbrechenden Krieges wird, ist eine wunderbar paradoxe Figur, finden Sie nicht? Und die zweite Bedeutung hat direkt mit der ersten zu tun: Ein «Innerschweizer» ist eben drin, innen drin. Tief verstrickt in allem, was die Schweiz mental ausmacht. Und aus dieser Warte, aus diesem Kokon heraus beleuchtet er das Geschehen. Wir lesen hier also eine genuin schweizerische Sicht auf die fiktive Historie. Und die ist doch auch lustig!

Durchaus: dass sich der Bengel sehnlichst «Action» wie in der «Aussenwelt» wünscht und dann überrollt wird, als selbige in Form der Roten Armee daherkommt, hat viel komisches Potential. Man fragt sich bei dem Szenario allerdings: Ist das nun ein «Schweiz-Roman» oder ein «Anti-Schweiz-Roman»?

Beides? (lacht) Ich bin mir bloss nicht sicher, ob die Begrifflichkeit «Anti-Schweiz-Roman» hilfreich ist, der Text ist ja weder affirmativ noch richtet er sich gegen die Schweiz oder ihre Politik. Vielmehr führe ich die Schweiz aufs Glatteis einer veritablen Tragödie, lasse sie in eine Katastrophe schlittern, aus der sie nicht unbeschadet herauskommt, wobei einige Gewissheiten erschüttert oder sogar vernichtet werden. So zieht die sozialistische WG unhinterfragt ein erfolgreiches kapitalistisches Kleingewerbe auf, während Christoph Blocher von einem Gericht zum Tode verurteilt wird…

…da er mit den Sowjets paktieren wollte. Das klingt nun nach Satire. Aber: so abwegig kommt das im Roman alles nicht daher. Ab dem Moment, da der Anschlag der WG misslingt, ist in der Parallelhistorie quasi wieder «alles möglich». Sogar so etwas unwahrscheinlich Anmutendes wie die Korrektur von Christoph Blochers Weltanschauung.

(lacht) Ja, hier können wir uns fragen: Könnte es nicht doch auch sein, dass Blocher unter Kriegsumständen eine Art «Sonderfrieden» mit den Sowjets gesucht hätte? Wir erhalten Schützenhilfe in der Geschichte: Immerhin hat Blocher auch das AKW Kaiser­augst erledigt, eine Art «Sonderfrieden» mit den AKW-Gegnern geschlossen – obwohl das niemand von ihm erwartet hätte.

Am Ende, Sie sagten es, wird Blocher erschossen. Was mir auffällt: Sie gehen nicht eben zimperlich um mit «Ihrem» historischen Personal. Alle Nase lang springen Schweizer Persönlichkeiten über die Klinge – Sie spielen dabei mit existierenden Biographien. Abschlussfrage: Wie weit darf man da als Autor gehen?

Ich weiss es nicht, mache mir aber im gegenwärtigen Fall auch keine Sorgen: Solange etwa Hubacher und Blocher in diesem Roman sind, sind sie ja «nur» literarische Figuren und leben in der Realität unangetastet weiter. Zeitgleich sind sie somit literarisch verewigt – das kann ja auch nicht jeder Schweizer Politiker von sich behaupten, oder?

 


Lesen Sie auch: «Der Innerschweizer» ist das Buch des Monats (Schweiz) im aktuellen «Literarischen Monat».

 

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Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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