In Bern mit Jakob, Edith und der Schildkröte Moritz

Bisher machte der in Zürich lebende Theater-, Politikwissenschafter und Autor vor allem mit seinen Stücken auf sich aufmerksam und gewann 2006 beispielsweise den Stückewettbewerb der Schaubühne Berlin. Nun legt Lorenz Langenegger sein Prosadebüt vor. «Hier im Regen» lautet der Titel des Romans und Herr Walter ist der Held der Geschichte, die am Schweizer Nationalfeiertag, dem […]

Bisher machte der in Zürich lebende Theater-, Politikwissenschafter und Autor vor allem mit seinen Stücken auf sich aufmerksam und gewann 2006 beispielsweise den Stückewettbewerb der Schaubühne Berlin. Nun legt Lorenz Langenegger sein Prosadebüt vor. «Hier im Regen» lautet der Titel des Romans und Herr Walter ist der Held der Geschichte, die am Schweizer Nationalfeiertag, dem 1. August, einsetzt. Herrn Walters Wecker läutet trotzdem. Seine Frau Edith fährt zu ihren Eltern, er hat unvermittelt frei und seine «Laune [ist] ungünstig beeinflusst».

Herr Walter heisst mit Vornamen Jakob, seine verstorbene Schildkröte Moritz und die Frage der Fragen für Jakob lautet: Warum Bern? Warum Bern und nicht irgendeine andere Stadt? Nur wegen des Jobs bei der Steuerverwaltung? Jakob weiss es nicht. Jakob ist ein eigenartiger Kauz.

Jakob und Edith kamen aus Dankbarkeit Ediths zusammen. «Aber darüber, wie das alles zusammenhängt, möchte er lieber nicht reden.» Jakob liebt Ediths Weitsicht, ihren Pragmatismus und ihre Entschlossenheit. Jakob ist ungeübt im Umgang mit Kindern und verlegen im Umgang mit Bettlern. Jakob macht sich nichts aus zuvorkommendem Einfühlungsvermögen ihm gegenüber. Jakob helfen Erinnerungen «über die Unfähigkeit im Umgang mit der Endgültigkeit hinweg». Jakob hatte seinen ersten Rausch erst mit 17. Jakob mag es, «wenn die Wirklichkeit durch einen Einzelfall widerlegt, was im Allgemeinen über sie berichtet wird». Jakob findet, dass es keine Möglichkeit gibt, sich seiner selbst zu vergewissern, solange Edith nicht solch ein Einzelfall ist. Jakob ist einer, der die Strenge der Leute nicht versteht und sich selbst gelegentlich für seine Gedanken geniert. Und nicht selten kehren seine Gedanken dann als Fragen an die Oberfläche: «Gibt es Zufriedenheit nicht als dauerhaften Zustand, sondern nur als Folge eines erreichten Ziels?»

Jakobs Freund und Lieblingswirt Rolf zerstreut gemeinhin Fragen. Nur ist dieser plötzlich verschwunden. Wo ist Rolf? Ist er ertrunken? Die alte Bekannte Ruth jedenfalls trinkt zu viel, um eine Aufspürhilfe zu sein, Edith bleibt länger als geplant bei den Eltern und plötzlich steht Bern unter Wasser. Was nun? Edith ist Jakobs Steuer, Segel und Anker, Jakob selbst nur ein Boot ohne Kapitän, Mannschaft und Ziel. Bern ist

Walters Bestimmungshafen, die Steuerbehörde seine Kommandobrücke und der Regen sicher bald wieder vorbei.

«Hier im Regen» ist ein Plädoyer für Genügsamkeit, für die grosse Gefühlswelt im kleinen sozialen Umfeld. Jakobs kleine Welt böte Wege, das reicht ihm, begangen müssen diese deshalb noch nicht werden. Jakob, der anfangs als Biedermann daherkommt, entpuppt sich im Laufe der Geschichte immer mehr als grosses Herz mit grossen Sehnsüchten. Man möchte diesen Jakob adoptieren. Das geht nicht, aber man kann das Buch erstehen.

vorgestellt von Markus Köhle, Wien

Lorenz Langenegger: «Hier im Regen». Salzburg: Jung und Jung, 2009

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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