Ich bin ein Genie, holt mich hier rein!
Gunnar Heinsohn, fotografiert von Joanna Sidorczak-Heinsohn.

Ich bin ein Genie, holt mich hier rein!

Die besten Mathe-Schüler von heute werden die Technologien von morgen erfinden. Die Schweiz täte gut daran, jetzt Talente aus Ostasien zu rekrutieren.

«Focus on the 5 percent who deliver 95 percent of the value» – McKinsey 2017

I. Prognosen für morgen über die Kinder von heute

Obwohl etwa beim Personal des Transport- und Verkehrswesens auch im Jahr 2035 nur eine Minderheit als Pilot arbeiten wird, muss die für diesen Beruf erforderliche Kompetenz unabdingbar zur Verfügung stehen, wenn das betroffene Land nicht in die Gruppe der chancenlosen 170 Nationen abrutschen will. Ein Pilot kann sehr schnell auf Taxifahrer umschulen. Umgekehrt gilt das nicht. Man kann von oben nach unten lernen. Wer jedoch nur mit Hängen und Würgen die Hauptschule schafft, wird niemals einen Algorithmus schreiben. In einer Bevölkerung von 8 Millionen (Schweiz, Österreich) oder 80 Millionen (Deutschland) gibt es einzelne mit 40 hochkarätigen Patenten neben vielen Millionen Bürgern, die nicht ein einziges vorweisen können.

Vergleicht man eine durchschnittlich kompetente Arbeitskraft mit einer hochbegabten bei der Ausführung einer Tätigkeit geringer Komplexität, arbeitet der Könner im besten Falle nur um 50 Prozent effizienter. Selbst bei etwas höherer Komplexität steigt seine Überlegenheit lediglich auf 125 Prozent. Bei sehr hoher Komplexität jedoch springt sie auf 800 Prozent. Für Kompetenz gibt es mithin keinen abnehmenden Grenznutzen. Man sollte meinen, dass die Menschen im besten Prozent (99 bis 100 Prozent) schwierigen Anforderungen in gleicher Qualität gerecht werden können. Doch bei genauem Hinschauen liefert das Viertelprozent 99,75 bis 100 mehr Ausnahmeleistungen (Patente, Nobelpreise, Opernpartituren etc.) als das Viertelprozent von 99,00 bis 99,25.1

Am ehesten akzeptiert ist die vergleichende Ermittlung von Kompetenz anhand mathematischer Fähigkeiten. Da man mit Zahlen operiert, entfallen rein wissensabhängige Vorteile. Die Studie TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study) erhebt seit 1995 im Vierjahresturnus die Mathematikleistungen von Zehn- und Vierzehnjährigen. Die aktuell verfügbaren Ergebnisse zu Viertklässlern (zumeist Geburtsjahrgang 2005) liegen für 2015 vor, als rund 50 Nationen teilnahmen. Die Schweiz ist nicht dabei, platziert sich aber bei PISA 2015 in Mathematik als Europabester direkt hinter den ostasiatischen Dauersiegern. Unter letzteren schneiden bei TIMSS die Japaner mit 320 von 1000 Kindern in der «Advanced»-Gruppe am schlechtesten ab. Hinten liegen sie damit nicht, denn global reicht das für den 5. Platz. Die Schweiz wird über die PISA-Interpolation für TIMSS mit 250 von 1000 geschätzt. Damit steht sie fast fünfmal so gut da wie Deutschland (53/1000), übertrifft Italien um das Sechsfache und Frankreich sogar um das Zehnfache (25/1000). Die Volksrepublik China nahm bei TIMSS 2015 ebenfalls nicht teil. Ihr Wert wird auf 300 von 1000 geschätzt, weil die drei mitmachenden Nationen mit überwiegend chinesischer Bevölkerung klar darüber liegen: Singapur mit 501 von 1000 (Weltmeister), Hongkong mit 450 von 1000 (Zweiter) und Taiwan mit 350 von 1000 (Vierter hinter Südkorea).2

 

Berechnen wir nun die Zukunft anhand des Jahrgangs 2005 und nehmen wir zusätzlich an, dass die vier Jahrgänge 2006 bis 2009 ähnlich abgeschnitten hätten. Da die absolute Anzahl der 2005 bis 2009 Geborenen bekannt ist, können wir ausrechnen, wie viele Kompetente aus dieser Fünfjahreskohorte von 2030 bis 2035 für die Arbeitsmärkte…

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»