Horst Poller: Frei sein und dienen. Der Weg zur freiheitlichen Bürgergesellschaft

München: Olzog Verlag, 2006

«Der Versorgungsstaat hat versagt. Er ist das Ergebnis von überzogenem Anspruchsdenken und blinder Staatsgläubigkeit.» Horst Pollers Fazit zur deutschen Lage ist unmissverständlich. Doch beschränkt er sich nicht auf ein kritisches Resümee der aktuellen Situation unseres nördlichen Nachbarn. Noch auch übt er sich im Anschluss daran in blindwütiger Dogmatik. Vielmehr reibt er sich produktiv an verschiedenen Positionen. Ausgehend von den alten Hochkulturen Chinas, Griechenlands und Roms, bis hin zu modernen Staatsverfassungen, entwickelt er seine Forderungen im Zwiegespräch mit verschiedenen liberalen Vordenkern aus der Geschichte der Wirtschaftslehre. Und die sind vom Ruf nach weniger Staat geprägt. Die Idee der sozialen Gerechtigkeit – Poller versteht darunter die Verteilungsgerechtigkeit – unterminiere die Freiheit des einzelnen und unterbinde damit eigenverantwortliches Handeln; sie mache alle Menschen gleich, statt ihren individuell unterschiedlichen Fähigkeiten gerecht zu werden; der in vielen westeuropäischen Ländern hochgehaltene Primat der sozialen Sicherheit führe zu einem Anspruchsdenken gegenüber dem Staat und damit zur Unmündigkeit; die Motivation, aus eigenem Antrieb zu handeln, erwachse jedoch aus der Selbstverantwortung, und diese wiederum sei unerlässlich, um die eigene Verantwortung für andere in der Gesellschaft wahrzunehmen. Das alles ist zwar nicht gerade neu, doch verbindet der Autor Ausflüge in die liberalen Traditionen der europäischen Vergangenheit geschickt mit Überlegungen zu ihrer Aktualität.

Horst Poller geht mit sozialistischen Denkmustern hart ins Gericht, so etwa mit der These, dass höhere Löhne allein mehr Kaufkraft schafften und damit die Produktion ankurbelten. Er zeigt schlüssig auf, wie in Deutschland durch ein zu sehr auf Anstellungssicherheit bedachtes Arbeitsrecht Arbeitsplätze verhindert werden. Auch auf Nebenschauplätzen leistet der Autor Erhellendes. So zeigt er, wie die katholische Soziallehre in Deutschland Ludwig Erhards liberal orientierter Marktwirtschaft eine völlig andere Richtung gegeben hat. Und last but not least unterzieht er linke Schlagworte wie «soziale Gerechtigkeit» und «Sozialabbau» einer klarsichtigen Analyse.

besprochen von MICHAEL FLÜCKIGER, geboren 1973, Germanist und Manager bei der Schweizerischen Post.

«Kurvt unentwegt jenseits
der Staatsgläubigkeit.»
Beat Kappeler, Ökonom und Publizist,
über den «Schweizer Monat»