Hinter den Kulissen mit Roger Wehrli

stv. Leiter Wirtschaftspolitik und Bildung

 

Der Begriff Lobbyist hat in der öffentlichen Diskussion einen negativen Beigeschmack. Doch Roger Wehrli trägt die Bezeichnung mit Stolz. Als stellvertretender Leiter Allgemeine Wirtschaftspolitik und Bildung bei Economiesuisse gehört es zu seinen Aufgaben, Politiker zu überzeugen und Lösungen im Interesse der Schweizer Unternehmen zu erreichen. «Politiker brauchen Entscheidungsgrundlagen und Inputs von allen Seiten», sagt Wehrli. Er liefert die Informationen und Argumente. «Wenn die Parlamentarier allein im Elfenbeinturm entscheiden», ist er überzeugt, «sind die Ergebnisse oft schlechter.»

Das Themenspektrum ist breit und die Details oft komplex: Derzeit beschäftigen den ausgebildeten Ökonomen Pestizide, Raumplanung, Bildung, Forschung. Bei jeder geplanten Gesetzesänderung gilt es zunächst innerhalb des Verbandes eine einheitliche Position zu erarbeiten. Und das ist nicht immer einfach. Als Dachverband vertrete Economiesuisse eine grosse Zahl von Verbänden und Firmen mit teilweise unterschiedlichen Interessen. Dennoch finde man in aller Regel eine Einigung. Und wenn nicht, vertreten eben die Branchenverbände ihre jeweiligen Positionen, und Economiesuisse halte sich zurück.

Wehrli räumt ein, dass Economiesuisse oft Abwehrkämpfe führe, etwa gegen Volksinitiativen oder Ansinnen wie die jüngsten Pläne der OECD zur Unternehmensbesteuerung. «Andererseits hat man in Verhandlungen im Hintergrund auch viel Gestaltungsspielraum», betont er. Dabei hilft es, kein zu starkes Bedürfnis nach öffentlicher Aufmerksamkeit zu haben. Auf die Frage nach seinem grössten Lobbying-Erfolg lächelt Wehrli nur: «Da schweigt des Sängers Höflichkeit.»

Im Hintergrund tätig ist der 41-Jährige auch als Juniorentrainer im Unihockeyverein seines Wohnorts. Dazu gekommen ist er eher zufällig über seine beiden Unihockey spielenden Söhne, für deren Teams ein Trainer gesucht wurde. Früher spielte Wehrli Volleyball und schaffte es als Trainer bis in die Nationalliga B der Frauen. «Wenn man auf der privilegierten Seite des Lebens steht, finde ich, kann man der Gesellschaft auch etwas zurückgeben.» Hinzu komme, dass man sich zu oft in einer Blase bewege: «Im Dorfverein dagegen lernt man Leute mit unterschiedlichsten Hintergründen kennen.»

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Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
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