Hehlerische Polizei

Mein Telefon klingelt. «Stadtpolizei Züri, grüezi. Sind Sie Frau Teitler?» Die freundliche Männerstimme in breitem Zürcher Dialekt erhellt meinen grauen Morgen. Ich: «Ja.» Dann halten beide einen Moment inne. Ich, weil ich überlege, was ich verbrochen haben könnte. Warum der Polizist eine Pause macht, weiss Gott. Dann fragt der Beamte, ob mir 2008 ein silbernes […]

Mein Telefon klingelt. «Stadtpolizei Züri, grüezi. Sind Sie Frau Teitler?» Die freundliche Männerstimme in breitem Zürcher Dialekt erhellt meinen grauen Morgen. Ich: «Ja.» Dann halten beide einen Moment inne. Ich, weil ich überlege, was ich verbrochen haben könnte. Warum der Polizist eine Pause macht, weiss Gott. Dann fragt der Beamte, ob mir 2008 ein silbernes Velo gestohlen worden sei. Ich bestätige und mache zweckdienliche Ausführungen zum Modell.

Meine Beschreibungen sind so genau, dass wir nach dem Gespräch beide davon ausgehen, dass im Keller der Stadtpolizei mein beziehungsweise das Velo meiner Versicherung steht. Denn als ich im Jahr 2008 von ihr die Schadensdeckung für mein gestohlenes Fahrrad verlangt habe, musste ich ihr das Eigentum am Fahrrad übertragen, was vor allem beim Fund des Diebesguts wesentlich ist. Der Polizist pflegt einen kundenfreundlichen Umgang und schickt mir einige Minuten später eine E-Mail, in der er detailliert beschreibt, wie ich das Eigentum am Velo wiedererlangen kann.

Ich nehme also mit der Versicherung Kontakt auf. Diese will für das zehnjährige Fahrrad 300 Franken. Mir scheint das Ding nicht mehr wert als 200 Franken, der Gedanke, ein Kanzleivelo zu besitzen, ist aber trotzdem verführerisch. Wir einigen uns also auf eine Auslösungssumme von 250 Franken. Dem Polizisten teile ich per Mail mit, wann ich das Velo holen will. Danach herrscht Funkstille. Eine Woche später meldet sich der Polizist. Jetzt hört sich seine Stimme schüchtern an: «Frau Teitler, wir haben ein kleines Problem: Ihr Velo wurde nach dem Diebstahl schon mal gefunden. Damals konnten wir Sie als Eigentümerin nicht ausfindig machen.» Wie der jetzige Fall zeigt, ist das eigentlich gar nicht schwierig. «Wir haben es dann in Zusammenarbeit mit dem Sozialdepartement an einer Gant verkauft. Jetzt gibt es einen neuen Besitzer Ihres Velos, dem es offenbar erneut gestohlen wurde. Was nun zu tun ist, ist unklar. Wir müssen unsere Rechtsabteilung beiziehen.»

Nun muss ich schmunzeln. Denn eigentlich könnte ich die zuständigen Behörden wegen Hehlerei anzeigen und rechtmässigen Besitz erwerben, indem ich dem neuen Besitzer seinen Kaufpreis erstatte. Vorerst warte ich aber auf den Lösungsvorschlag des netten Polizisten. Ich finde es ja grundsätzlich gut, dass der Zürcher Polizeivorsteher Daniel Leupi ein Velopolitiker ist. Dass dies aber bedeutet, dass die Stadtpolizei nun in den Velohandel einsteigen muss, ist mir neu. Man lernt nie aus.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»