Hayek und die Privatisierung des Geldes

Papiergeld beruht auf Vertrauen. Papier lässt sich beliebig vermehren. Vertrauen nicht. Das ist ein Problem. Wie könnte ein Geldsystem aussehen, das Vertrauen honoriert statt konsumiert?

Das aktuelle Kredit- und Geldsystem geniesst eine breite Akzeptanz auf dem ganzen Planeten, von links nach rechts, von oben nach unten. Das gibt ihm ein grosses Ansehen – aber darum nicht auch schon eine höhere ökonomische und ethisch-moralische Legitimität. Denken wir daran: dieses System ist erst ein paar Jahrzehnte alt. Wenn wir es heute hinnehmen, als wäre es gottgegeben oder die beste Form, um das Geldwesen zu organsieren, so zeigen wir damit bloss, dass uns der «historische Sinn» (Friedrich Nietzsche) fehlt.

Man kann die Sache nämlich auch anders sehen. Zum Beispiel so: wohl kaum etwas schadet der freien Markt- und Gesellschaftsordnung so sehr wie das staatlich beherrschte Kredit- und Geldsystem. Es provoziert eine Wirtschafts- und Finanzkrise nach der anderen. In der Öffentlichkeit werden die Missstände – Rezession und Arbeitslosigkeit – dann regelmässig dem Kapitalismus zur Last gelegt. Indem der Kapitalismus zum Sündenbock gestempelt und der Ausweg aus der Misere in staatlichen Markteingriffen erblickt wird, verfangen sich die Gesellschaften immer tiefer im Gestrüpp des Interventionismus, der zuletzt in die Befehls- und Staatswirtschaft führt. Es scheint, als hätten wir aus dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus nichts gelernt.

Der Interventionismus will bekanntermassen das Privateigentum nicht geradezu abschaffen, aber immerhin das Handeln der Eigentümer der Produktions- und Kapitalmittel durch fallweise erlassene Gebote und Verbote beeinflussen und regulieren, um so politisch wünschenswerte Ziele zu erreichen. Der Staat zwingt mithin die Akteure dazu, etwas zu tun, was sie aus wohlverstandenem Eigeninteresse freiwillig nicht tun würden, d.h. sie werden gezwungen, im Markt Fehlanreize zu produzieren, die zwangsweise zu immer neuen Verwerfungen führen, die nach immer weiteren Interventionen rufen.

Entsprechend liegt die Ursache der beklagten «internationalen Kreditkrise» auch durchaus nicht im Kapitalismus, sondern im staatlichen Kredit- und Geldsystem. Mit einer chronischen Niedrigzinspolitik haben die staatlichen Zentralbanken, von der Politik animiert, über die letzten Jahrzehnte für ein gewaltiges Auftürmen von Kredit- und Geldmengen gesorgt. Schon vage Anzeichen einer nahenden «Bereinigungsrezession» haben sie mit noch mehr Kredit und Geld und noch niedrigeren Zinsen «bekämpft». Im Zeitablauf wurde die sich so entwickelnde immense Verschuldungspyramide mittlerweile zur weltweiten Massenüberschuldung.

Kreditgeber, insbesondere Banken, sehen sich nun der wachsenden Sorge gegenüber, dass Schuldner ihre Verbindlichkeiten nicht mehr vertragsgemäss bedienen können. Entsprechend wollen sie fällige Kredite nicht mehr, oder höchstens zu deutlich höheren Zinsen, erneuern. Gleichzeitig sind (Dauer-)Schuldner nicht in der Lage, fälligwerdende Kredite zu tilgen oder höhere Zinsen auf ihre Schulden zu bezahlen. Unter diesen Umständen wird der Entschuldungsprozess, auf den die freien Marktkräfte nun drängen, als unerwünscht erklärt und von den Regierungen (d.h. den Hauptschuldnern) nicht überraschend mit allen Mitteln bekämpft.

Die Zentralbanken versuchen mit noch mehr Geld und noch niedrigeren Zinsen der Phänomene Herr zu werden, die sie mit zuviel Kredit und Geld zu niedrigen Zinsen heraufbeschworen haben. Die Regierungen bewahren mit einer bisher nie dagewesenen Umverteilung eine Reihe Banken vor dem Kollaps. Sie garantieren Bankverbindlichkeiten und stellen Banken aus Steuergeldern finanzierte Eigenkapitalspritzen zur Verfügung. Die daraus resultierenden finanziellen Lasten laufen Gefahr, die Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft der Steuerzahler mittelfristig zu überfordern. Das ist ein Weg, der – die Deutschen haben Erfahrung – in Hyperinflation zu münden droht.

Friedrich August von Hayek (1899–1992), Nobelpreisträger für Ökonomie des Jahres 1974 und Schüler von Ludwig von Mises (1881–1973), fordert in seinem Buch «Denationalisation of Money» (1976) das Ende des staatlichen Geldangebotsmonopols und die Privatisierung des Geldsystems. Er spricht sich darin für einen Wettbewerb der Währungen aus. Wie beim Wettbewerb in jedem anderen Gütermarkt würde dies, so Hayek, für gutes Geld sorgen. Nur jene Geldanbieter würden dauerhaft auf dem Markt verbleiben, die die Kundenwünsche dauerhaft zufriedenstellend befriedigen. Und dieser Disziplinierungszwang durch Wettbewerb würde Geld von besserer Qualität hervorbringen, als es die Regierungen jemals…

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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