Gutes besser ausgezeichnet

Sie wollen in Gutes investieren? Bestens! Bloss: wie stellen Sie fest, ob auch Ethik drinsteckt, wo «ethisch» draufsteht?

Die gute Nachricht zuerst: einer immer grösser werdenden Anzahl von Anlegerinnen und Anlegern ist es nicht mehr gleichgültig, wo und für was ihr Geld investiert wird. Sie wollen neben einer angemessenen Rendite auch zusätzlich ökologische, soziale und ethische Aspekte bei der Anlage ihres Kapitals beachtet wissen. Allerdings, und das ist die praktische Einschränkung, ist dies nicht immer einfach umzusetzen: Anleger müssen schon sehr genau hinsehen, um feststellen zu können, ob ihr Geld – ihren Vorstellungen entsprechend – im Sinne ihrer Prinzipien angelegt ist oder nicht.

 

Vielfalt der Möglichkeiten

Dass es hier zu Problemen kommen kann, ist zunächst der Vielfalt der Möglichkeiten geschuldet, die Anleger in diesem Segment inzwischen haben. Auf dem Markt existieren zahlreiche Anlageprodukte mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Daher stellt sich schnell die durchaus nicht ganz einfache Frage, was unter «Nachhaltigkeit» bei Geldanlagen überhaupt zu verstehen sei und ob und wie diese sinnvoll gemessen werden könne. Schon die Frage nach der korrekten Bezeichnung einer solchen Form der Anlage fördert eine überraschende Vielfalt an Antworten zutage. So werden zahlreiche Begriffsvarianten mit unterschiedlichen inhaltlichen Ausprägungen für diese Art von Geldanlage verwendet. Die Unübersichtlichkeit perfekt macht aber der Umstand, dass es die meisten «konventionellen» Anlageprodukte auch als «nachhaltiges» Produkt gibt. Das Spektrum reicht hierbei von Spareinlagen und festverzinslichen Wertpapieren über Aktien und Investmentfonds bis hin zu Direktbeteiligungen. Wie also ist ein Investor in der Lage, nachzuvollziehen, ob eine Geldanlage auch tatsächlich den eigenen ethischen Ansprüchen genügt?

 

Zahlreiche Auswahlverfahren

Bei der Auswahl von Anlageprodukten stehen, um soziale, ökologische und ethische Kriterien zu berücksichtigen, dem Investor verschiedene inzwischen recht gut etablierte Methoden und Strategien zur Verfügung. Die Bewertungen werden in der Regel als «auftragslose Ratings» durchgeführt und nicht von den Unternehmen, die untersucht werden, initiiert. Der Auftrag hierzu wird meist von Nachfragern wie Fonds- und Indexanbietern gegeben. Wie auch klassische Finanzratings führen die meisten institutionellen Investoren – aufgrund des hohen Aufwands der Informationsbeschaffung und Kontrolle – die Analysen in der Regel nicht selbst durch. Grundsätzlich werden bei einem Nachhaltigkeitsrating auf Basis zuvor erstellter Kriterienkataloge Unternehmen einer Bewertung unterzogen und diejenigen herausgefiltert, die für ein Investment in Frage kommen. Die Einteilung der Bewertung erfolgt meist – ähnlich dem eines Finanzratings – auf einer Skala von A bis F.

Durch die Verwendung von Positivkriterien werden – beim «Positiv-Screening» – lediglich Unternehmen aus Branchen für eine Anlage herangezogen, die zuvor festgelegte ökologische, soziale und ethische Kriterien bei der Herstellung ihrer Produkte und angebotenen Dienstleistungen berücksichtigen. Erste Anhaltspunkte bieten hierbei vorliegende Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte sowie entsprechende Zertifizierungen nach internationalen Normen. Negativkriterien wirken hingegen vermeidend und führen dazu, dass in bestimmte Branchen, Unternehmen und Staaten nicht investiert wird. Zu den am häufigsten angewendeten Ausschlusskriterien zählen in der Schweiz für Unternehmen Kernenergie, Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen, Korruption und Bestechung, Umweltzerstörung, Waffen (Handel und Produktion), Tabak, (grüne) Gentechnik, Pornographie und Glücksspiel. Bei 69 Prozent aller nachhaltigen Anlagen werden solche Ausschlusskriterien berücksichtigt. Bei Staaten stehen Verstösse gegen Waffensperrverträge, Korruption, Kernenergie, Todesstrafe und Nichtratifizierung von Umweltkonventionen im Fokus der Investoren – allerdings ist deren Anwendung weniger verbreitet als im Unternehmensbereich.1

Eine Ausprägung des «Negativ-Screenings» ist das zunehmend beliebter werdende Divestment. Die Idee dahinter ist der gezielte Ausschluss von Investments aus dem Bereich fossiler Energieerzeugung (Kohle, Öl und Gas). Damit soll ein Beitrag zur Erreichung des «2-Grad-Ziels» zur Begrenzung der Erderwärmung mit einer dafür notwendigen drastischen Reduzierung des Ausstosses von Treibhausgasemissionen geleistet werden. Allerdings ist auch hier zu prüfen, wie ernst Divestment als Strategie einer Anlage tatsächlich wirksam umgesetzt wird und ob Anleger nicht lediglich einer neuen Form von «Greenwashing» begegnen. Mit Hilfe des «Best-in-Class-Ansatzes» können solche Unternehmen einer Branche identifiziert werden, die im Vergleich zu Mitbewerbern – etwa hinsichtlich ihrer ökologischen und…