Günstig bauen und reich werden

Über Genossenschaften und Aktiengesellschaften.

 

In der Politik provozieren Buzz-Wörter sogleich Reflexe dafür oder dagegen. Ein typisches Beispiel dafür sind die Rechtskleider von Immobilieninvestoren, den wichtigsten Akteuren in der Wohnpolitik, die besonders in den Städten heiss umkämpft ist: «Aktiengesellschaft» vs. «Genossenschaft». Dabei sind beide – ganz nüchtern – zwei private Rechtsinstitute, die sich lediglich im Rollenmodell der Beteiligten unterscheiden: Kapitalgeber und Nutzer fallen zusammen (Genossenschaft) oder eben nicht (Aktiengesellschaft). Weder die ­einen noch die anderen Wohnungen sind per se teurer oder günstiger, und auch nicht böse oder gut, links oder rechts. Dennoch konzentriert sich, ja beschränkt sich staatliche Wohnförderpolitik oft auf die einseitige Förderung von ­Genossenschaften. Das ist gleich mehrfach falsch gedacht. Aus liberaler Sicht braucht die öffentliche Hand nicht derart stark in den Wohnungsmarkt einzugreifen, wie sie dies in den Städten oft tut. Und wenn sich der Staat schon engagiert, wäre das politische Ziel wohl das Schaffen von günstigem Wohnraum. Das aber wird regelmässig mit der (privaten!) Gemeinnützigkeit, die der Genossenschaft tatsächlich ­inhärent ist, verwechselt. Denn wenn wohlhabende Genossenschafter gemeinsam ein paar Villen bauen und bewohnen, sind sie faktisch wie rechtlich gemeinnützig unterwegs, bauen aber kaum günstig. Umgekehrt kann ein findiger Investor so geschickt bauen, dass er günstige Mietwohnungen anbieten kann und ­dennoch reich wird damit; es ist ja keineswegs so, dass Luxusappartements automatisch mehr Rendite abwerfen als kostengünstige Wohnungen. Der Haupttreiber der ­Wohnungspreise ist denn auch nicht das Renditedenken, sondern die zahlreichen Bau-, Öko-, Denkmal- und anderweitigen Schutz- und Sicherheitsbestimmungen. Mit Kapitalismus, lernen wir, lassen sich also auch linke Forderungen erfüllen. Sofern das Schaffen von günstigem Wohnraum tatsächlich das politische Ziel ist. Und nicht das ­Verteilen von Pfründen, um sich auf lange Sicht ein wohlgesinntes Wohnvolk, sprich Elektorat zu sichern.

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
über den «Schweizer Monat»