Grüne Bauernschläue

Wer seine Partikularinteressen auf Kosten der Allgemeinheit durchsetzen will, sollte ihnen einen «grünen Anstrich» verpassen – und so Widerstände minimieren.

Der Kanton Fribourg ist stolz auf die Qualität seiner landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Darunter finden sich schmackhafte Käsesorten wie Vacherin, Greyerzer oder «Bleu de Fribourg», aber auch Butter und Fette. Natürlich möchten die Fribourger Bauern, dass die Schweizer Konsumenten fleissig ihre Produkte kaufen. So weit, so verständlich. Was aber, wenn diverse Produzenten ausländische Palmöle den inländischen Fetten vorziehen? Dann gibt der Kanton Fribourg seinen unwilligen Kunden auch einmal grosszügig «Nachhilfe»: Im vergangenen Jahr lancierte er eine Standesinitiative, die den Import tropischen Palmöls unter Strafe stellen sollte. Besonders schlau: die Initiative diente offiziell nicht den Fribourger Fetten, sondern dem Schutz des tropischen Regenwalds und der Schweizer Konsumenten.

Damit liegt Fribourg im Trend, denn immer häufiger werden Vorstösse laut, die dem internationalen Handel im Namen des Umwelt- und Verbraucherschutzes Steine in den Weg legen und ausländischen Handelspartnern einseitig Nachteile auferlegen. Ein Beispiel: kompensatorische Klimaschutzabgaben auf Importe aus Ursprungsländern, die keinen ausreichend teuren Klimaschutz betreiben. Manchmal versteckt sich der Protektionismus auch im Detail, etwa wenn ein Glühbirnenverbot einseitig ausländische Produzenten trifft, da die inländischen bereits auf neue, «akzeptable» Technologien setzen.

Besonders häufig trifft der grüne Protektionismus aber landwirtschaftliche Produkte – wie im Fall des tropischen Palmöls: Der Kampf des Kantons Fribourg, wie auch diverser Nationalräte, gilt dabei vorgeblich möglichen Umweltschäden durch intensiven Palmenanbau in Herkunftsländern wie Malaysia und Indonesien. Kritisiert wird auch eine mögliche Gewichtszunahme beim Konsum gesättigter Fettsäuren aus Palmöl.

Doch die ehrenhafte Sorge um Mutter Natur und menschliches Übergewicht erscheint bei näherem Hinsehen zweifelhaft: Die Ökobilanz heimischer Alternativöle ist nicht unbedingt besser als jene des sehr ertragreichen und daher billigeren Palmöls. Günstige Anbaubedingungen und ihre hohe Produktivität machen die tropischen Ölpalme zu einem Exportschlager. Auch gesundheitlich weist das Palmöl Vorteile gegenüber hydrierten Ölen auf, die Konsumenten durch Transfette belasten.

Nur zählen sachliche Einwände wenig, wenn eine protektionistische Massnahme in ein grünes Gewand gehüllt wird. Umwelt- und Verbraucherschutz geniessen in der öffentlichen Wahrnehmung grosse Sympathien – sie verfügen über eine Art «Legitimationsbonus». Widersprüche und kritische Nachfragen sind politisch heikel. Genau das macht den grünen Protektionismus so attraktiv für findige Interessengruppen.

Wer also seine Partikularinteressen auf Kosten der Allgemeinheit durchsetzen will, sollte ihnen einen «grünen Anstrich» verpassen – und so Widerstände minimieren. Auffällig ist, wie gerade die Agrarlobby ihr grünes Herz entdeckt: In der Schweiz und auf EU-Ebene gelten Importschranken und Subventionen nun nicht mehr der Ernährungssouveränität, sondern der Naturpflege und der Artenvielfalt.

Besonders absurd: grösstes Opfer des grünen Protektionismus sind am Ende nicht nur die Konsumenten und ausländischen Produzenten, sondern gerade auch der Umweltschutz. Denn der schlimmste Feind der Umwelt ist die Armut. Menschen, die um ihr Überleben kämpfen, kümmern sich nicht um ein nachhaltiges Wirtschaften. Armut aber wird zementiert, wenn der Austausch von Gütern eingeschränkt wird. Die Wirtschaftswissenschaften sind sich seit jeher einig: Freihandel steigert die Effizienz der Ressourcenallokation – und damit auch den Wohlstand. Gerade die Bewohner der ärmsten Länder brauchen darum den Freihandel, vor allem von Agrarprodukten. Wer sich wirklich um den Erhalt des Regenwalds sorgt, sollte darum den Handel mit den Erzeugnissen der Tropenländer begrüssen, darunter auch dem Palmöl. Nur so kann Armut wirksam bekämpft werden, und davon profitiert am Ende auch Mutter Natur.

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
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Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»