Grosse Pein, Buch zu

Jutta Motz: «Späte Seilschaften». Bielefeld: Pendragon, 2008.

Im Heizungskeller des Chemischen Labors der Universität Oxford liegt eine Leiche, in deren Brust ein antiker arabischer Dolch steckt. Diesen hat der Archäologe Anthony Gardener einst von einem Beduinenfürsten geschenkt bekommen. Da es sich bei dem Toten um seinen ehemaligen Assistenten Pemberton oder Pemperton handelt – die Autorin ist sich da nicht sicher und benutzt beide Varianten –, befürchtet Gardener nun, unter Mordverdacht zu geraten, zumal er dem Opfer in herzlicher Abneigung verbunden war. Also taucht er unter, um den Fall auf eigene Faust zu lösen. Das spurlose Verschwinden des Professors versetzt seine Familie in Panik, und Tochter Jane macht sich auf die Suche.

Hoffentlich haben Sie nun genug erfahren. Wenn Sie die Auflösung des Falles interessiert, müssen Sie selbst die knapp 450 Seiten des Kriminalromans «Späte Seilschaften» der in Zürich ansässigen Autorin Jutta Motz lesen. Ihrem Berichterstatter nämlich reichte es auf Seite 118, auf der Jane sich folgende Fragen stellt: «Der Dolch ihres Vaters, die Mordwaffe? War das der Grund für sein Verschwinden?»

Unter den vielen schlechten Krimis dieser Welt nimmt «Späte Seilschaften» eine ganz besondere Stellung ein. Da ist zum einen der Mitteilungsdrang der Autorin, die ihren Lesern kein Detail, und sei es noch so irrelevant, vorenthalten mag. So kriegt man leicht einige hundert Seiten voll. Zu diesem schweren Fall von narrativer Inkontinenz gesellt sich ein gebrochenes Verhältnis zur deutschen Sprache und ihren Regeln. Von Grammatikfehlern und falschen Präpositionen abgesehen, versteht Jutta Motz es nämlich, bemerkenswerte Sätze zu bilden: «Langsam, je weiter Tagungspunkt für Tagungspunkt abgearbeitet wurde, je mehr steigerte sich Mr. Ibn Farid in eine Wut hinein, die er nur mit sehr grosser Mühe unterdrücken konnte.» Doch im Unterschied zu diesem armen Tropf, der trotz grosser Pein einen «äusserst langweiligen Tag mit ethnologischen Fragen zu Migration in Grossbritannien» über sich ergehen lassen muss, darf man als Leser ein Buch einfach zuklappen. Was hiermit geschehen sei.

vorgestellt von Joachim Feldmann, Recklinghausen

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
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