Grosse Klappe – was dahinter?

Die Welt von 1968 war wohl keine heile. Ob es um von der Realität überholte, aber staatlich forcierte Familien- und Lebensmodelle und damit verbundene Repression ging, um einen explodierenden Generationenkonflikt oder – wie in den USA – um die Rassen- und Bürgerrechtsfrage: die sogenannten 68er prangerten diese Zustände erstmals seit dem Krieg öffentlich und öffentlichkeitswirksam an. Die […]

Die Welt von 1968 war wohl keine heile. Ob es um von der Realität überholte, aber staatlich forcierte Familien- und Lebensmodelle und damit verbundene Repression ging, um einen explodierenden Generationenkonflikt oder – wie in den USA – um die Rassen- und Bürgerrechtsfrage: die sogenannten 68er prangerten diese Zustände erstmals seit dem Krieg öffentlich und öffentlichkeitswirksam an. Die Bedrohung durch staatliche Bespitzelung in der Schweiz, die Gängelung von sogenannt «arbeitsscheuen» oder «lasterhaften» Menschen mit «liederlichem Lebenswandel» war dabei für viele Protestler real. Sie taten das, was heute bloss noch als Werbeslogan durchgeht: Sie nahmen sich die Freiheit, die ihnen der Staat nicht gewährte – die Freiheit, die Zustände durch öffentliches Zurschaustellen ihres eigenen, alternativen Lebensstils anzuprangern. Das ermutigte viele dazu, es ihnen nachzutun.WG-Leben, lange Haare und die Rolling Stones gelten heute nicht mehr als besonders revolutionär, auch die «administrative Versorgung» ist Geschichte – und der gegenwärtige amerikanische Präsident kann dieselben öffentlichen Toiletten benutzen wie alle anderen US-Bürger. Diese Entwicklungen haben wir initial wohl einigen Babyboomern bzw. ihrer grossen Klappe zu verdanken. Auch wenn die allermeisten von ihnen keine direkte politische Durchschlagskraft hatten: sie erfüllten die Funktion als Initialzünder vieler Freiheitsgewinne. Der gesellschaftliche Freiheitssaldo der 68er und ihrer Nachfahren ist – trotz jüngerer Gängelungen wie Antidiskriminierungs- und Hochsteuerpolitik usw. – bis heute positiv.Babyboomer und Beatles waren auch erfolgreicher im Einfordern elementarer Freiheiten als die damaligen Vertreter der bürgerlichen Peer-Group. Der Schlüssel ihres Erfolgs: sie generierten eine ganze Kultur, die mit den herrschenden Konventionen brach. Ihr Habitus existiert links bis heute, wird zwar zunehmend hohler, ist aber anschlussfähig für alle, die gesellschaftliche Freiheiten gewinnen und verteidigen wollen. Ich hoffe, ganz in diesem Sinne, dass meine Kinder über Worte wie «Konkubinat» oder «Gleichstellungsbeauftragter» irgendwann nur noch den Kopf schütteln können. 

«MONAT für MONAT
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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»