Grenzen sprengen!

Wie man Blockaden in Politik, Wirtschaft und Kultur überwindet – und warum sich das lohnt.

Während geographische Grenzen oft paradoxe Linien und Orte sind, mal kaum wahrnehmbar, mal gegeben durch Gebirgsgrate, mal gesäumt von Stacheldraht, von Schildern, von vermodernden Schlagbäumen oder Zaunresten, mal Hoffnungen weckend, mal Ernüchterungen bringend, ist ein Denken ohne Grenzen à priori unmöglich. Definitionen, Abhängigkeiten, Entwicklungen – wer ver­suchen wollte, die Welt ohne klares begriffliches Raster zu erklären, also nicht Linien zwischen diesem und jenem zu ziehen, ist zum Scheitern verurteilt.

Wie physische Grenzen in der Topographie oder zwischen Nationen, so regen auch die tatsächlichen oder vermeint­lichen Grenzen unseres Denkens immer wieder dazu an, sie zu hinterfragen – und mitunter führt schon das zu ihrer (mal mehr, mal weniger kontrollierten) Sprengung. Sind nicht viele der grössten wissenschaftlichen Entdeckungen gemacht worden, weil mit herrschenden Regeln oder (Denk-)Traditionen bewusst gebrochen wurde? Ist nicht der Drang des Menschen, immer noch einen Schritt weiter zu gehen, fortzuschreiten, einerseits von Grenzen abhängig, andererseits aber stets schon um ihre Abschaffung besorgt? Ist das Nutzen von Synergien nicht häufig mächtiger als der Alleingang?

In der vorliegenden Sonderpublikation haben wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von Avenir Suisse ein weiteres Mal die Grenzen zwischen Redaktion und Think Tank im 2. Stock eines Gebäudes in Zürich Wipkingen gesprengt und nach konkreten Potenzialen zur Grenzverschiebung und -sprengung in Politik, Wirtschaft und Kultur gesucht. Und wir haben sie gefunden: überraschenderweise kommen diese Grenzen meist nicht als Zäune, Mauern oder leuchtend rote Linien daher, sondern in Form von Konventionen, Verboten, Kartellen und Denkfaulheiten.

Zeit also für eine Grenzkontrolle der etwas anderen, aufgeklärt-liberalen Art! Viel Vergnügen!

Michael Wiederstein
Chefredaktor Schweizer Monat