Goldene Chance

Ein Goldfranken für die Schweiz!

Was ist Geld? Philosophische Erwägungen über das Wesen des Geldes sind hier nicht mein Thema. Ich halte mich an eine bewährte Definition: Geld ist ein Tauschmittel. Diese Definition ist allerdings nur notwendig, nicht hinreichend. Denn praktisch jedes Gut kann Tauschmittel sein; historisch dienten zahllose Güter als Tauschmittel. Geld ist die zusätzliche Bezeichnung für jenes Tauschmittel, das in einer Gesellschaft die grösste Verbreitung und Akzeptanz hat.

Ein ideales Tauschmittel hat bestimmte Eigenschaften. Es ist teilbar, haltbar, transportierbar, leicht erkennbar, vertraut und wertvoll. Über Jahrtausende haben sich im Markt Metallmünzen aus Silber und Gold als bewährte Tauschmittel entwickelt. Doch auch das heutige Papier- und Kreditgeld besitzt die genannten
Eigenschaften geradezu ideal – alle, bis auf eine: seit 1971 hat das Papiergeld keinen Bezug mehr zu einem wertvollen, d.h. limitierten Gut. Das bedeutet, dass Geld beliebig vermehrt werden kann: die Geldmengenausweitung geht einher mit einem Wertverlust, im Extremfall bis zur Wertlosigkeit in einer Hyperinflation. Eine Konsequenz davon ist, dass viele Leute dem staatlichen Papiergeld als Tauschmittel zunehmend misstrauen.

 

Parlamentarische Initiative

In dieser Situation stellt sich die Frage: Ist das aktuelle Szenario «alternativlos»? Zwei Geschehnisse vom 8. März 2011 bieten Anlass und Grundlage für die Beantwortung dieser Frage. Im amerikanischen Bundesstaat Utah hat das Parlament Gold- und Silbermünzen als offizielles Zahlungsmittel legalisiert. Am gleichen Tag wurde in der Schweiz von Ulrich Schlüer eine parlamentarische Initiative eingereicht mit folgendem Wortlaut zur Ergänzung der Bundesverfassung: «Der Bund schafft einen offiziellen Schweizer Goldfranken mit einem Satz von Münzen mit je fixiertem Gehalt an Gold. Er regelt die Konzessionierung der zu dessen steuerfreien Herausgabe berechtigten Institute.»

Die Gesetzesänderung in Utah ist in erster Linie psychologisch bedeutend und hat auch sogleich grosses Aufsehen erregt. Anders der Schweizer Vorschlag. Seine Ankündigung verlief ruhig. Erst die Berichterstattung des «Wall Street Journal» im Sommer führte zu weltweiter Beachtung. Seither wird die Bedeutung des Vorstosses zunehmend intensiver debattiert – vornehmlich in Fachpublikationen und Internetforen.

Die praktische Originalität des Schweizer Vorschlags besteht in der Idee eines Goldmünzengeldes als Parallelwährung. Die Menschen bekommen dadurch die nötige Wahlfreiheit, die ihnen erlaubt, das ihnen als geeignet erscheinende Tauschmittel zu wählen – Papiergeld oder Gold. Das bestehende Geldsystem wird unabhängig vom Goldfranken wie bis anhin existieren. Solange die heutigen Währungen weiterhin das nötige Vertrauen geniessen, stellt der Goldfranken lediglich eine lehrreiche Nebenwährung dar. Sollten jedoch die heutigen Währungen eines Tages ihren Wert und ihre Glaubwürdigkeit verlieren, gäbe es bereits eine erprobte Alternative. «Nur in Freiheit, nur durch einen Parallelstandard kann es je eine gerechte Währungsreform geben», sagte bereits im Jahre 1984 der deutsch-amerikanische Ökonom Hans Sennholz. Die Diskussion um die Wahlfreiheit im Geldwesen ist überfällig.

 

Ein wenig Geschichte

Blicken wir kurz zurück. Während der Zeit des klassischen Goldstandards bis zum Ersten Weltkrieg hatten die Menschen das Recht, ihre Banknoten jederzeit gegen Goldmünzen zu tauschen. Banken, die überleben wollten, mussten peinlichst genau auf eine sorgfältige Kreditvergabe achten. Eine Faustregel für Banken aus jener Zeit lautete: «ein Drittel der Reserven in Gold». Dies verhinderte ein unkontrolliertes Geldmengenwachstum. 

Dieser klassische Goldstandard bildete eine weltweit einheitliche und im Rückblick sehr stabile Währung. Zwischen 1815 und 1914 war eine milde Deflation, das heisst jährlich fallende Preise, weltweit gesehen die Regel. Inflation war ein Phänomen von Kriegszeiten. Die Durchschnittspreise für Konsumgüter befanden sich in den USA 1910 in etwa auf dem gleichen Niveau wie hundert Jahre zuvor – trotz des bis dorthin grössten Wirtschaftswachstums.

Das Ende des Goldstandards kam schrittweise und im Gleichschritt mit der zunehmenden Regulierung und Kontrolle der
gesamten Wirtschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Regionale Währungen wurden innerhalb der Staatsgrenzen standardisiert, Banken reguliert, Bankkartelle gefördert und Zentralbanken geschaffen. 1914 wurde das Eintauschrecht von Banknoten für Bürger…

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»