Glücksjäger

Das Leben auf Pump analysieren wir seit Jahren. Dass dem kreditfinanzierten Wirtschaften von Privaten, Unternehmen und Staaten auf Dauer kein Erfolg beschieden sein kann, ist für all jene klar, die Ökonomie nicht mit Alchemie verwechseln. Mittlerweile greift jedoch in denselben Medien, die die Situation über Jahre schöngeredet haben, ein neuer Katastrophismus um sich. Wir halten […]

Das Leben auf Pump analysieren wir seit Jahren. Dass dem kreditfinanzierten Wirtschaften von Privaten, Unternehmen und Staaten auf Dauer kein Erfolg beschieden sein kann, ist für all jene klar, die Ökonomie nicht mit Alchemie verwechseln. Mittlerweile greift jedoch in denselben Medien, die die Situation über Jahre schöngeredet haben, ein neuer Katastrophismus um sich. Wir halten bewusst dagegen. Peter Sloterdijk, einer der luzidesten Denker der Gegenwart, setzt einen ersten Kontrapunkt. Er plädiert in seinem grossen Essay für eine neue Unbescheidenheit. Seine Botschaft: wir brauchen nicht bloss Wachstum, sondern exponentielle Lebenssteigerung. Der Wunsch nach Lebenssteigerung steht am Anfang des europäischen Unternehmerdenkens, dessen Wurzeln bis in die Renaissance zurückreichen.

Einen zweiten Kontrapunkt setzt Alfred N. Schindler. Der Unternehmer zeigt im Gespräch, welche Kräfte unternehmerisches Denken gerade in schwierigen Zeiten freizusetzen vermag. Solar Impulse, das neue Projekt von Bertrand Piccard, ist für ihn Ausdruck jenes unternehmerischen Optimismus, der in jedem Problem die Lösung, in jeder Krise die Chance sieht.

Was geschieht, wenn Wissenschaft, Forschung, Unternehmen und Stiftungen zusammenspannen, zeigen wir in unserem Dossier: es kommt zu Exzellenz, zu neuen Ideen, zu neuem Wissen, zu Innovation. In Lausanne und Zürich schlagen Hochschulen neue Wege ein, um private Drittmittel zu akquirieren – mit wachsendem Erfolg. Mehr von Aebischer, Borel, Fehr im Dossier.

Das Zauberwort von Rolf Dobelli heisst «bias»: der Mensch sitzt immer wieder kognitiven Irrtümern auf, denkt systematisch falsch. Die Fehlverdrahtungen sind allerdings nicht Schicksal, sondern zumindest teilweise justierbar. Der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung ist die Einsicht. Wir sind, sagt Dobelli, Jäger und Sammler in Hugo-Boss-Anzügen. Mehr zu Derrida, Heidegger und evolutionärer Psychologie im Gespräch mit dem umtriebigen Schriftsteller und Unternehmer.

In der letzten Ausgabe des «Literarischen Monats» sprachen wir mit Schriftsteller Peter Stamm über Sezessionsträume. Aus der Waldeinsamkeit zurück in die internationale Kunstszene führt uns in diesem Monat die Künstlerin Ingeborg Lüscher. Sie erzählt im Interview mit Johannes M. Hedinger, wie sie in den Steilhängen des Tessiner Onsernonetals den Künstler und Einsiedler Armand Schulthess ausfindig machte. Diese Bekanntschaft brachte sie auch mit dem international bekannten Ausstellungsmacher Harald Szeemann zusammen.

Ich wünsche, wie immer, anregende Lektüre.

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»