Glück ist käuflich, aber…

Man hört und liest viel von der Emanzipation der Frau. Das ist gut so. Nur hört die Betrachtung leider oft mit dem Zitat irgendwelcher Studien auf, die eine Benachteiligung von Frauen durch Differenzen bei den Löhnen zu beweisen suchen. Die Ehe, eine Institution, die von Feministinnen häufig dafür kritisiert wird, dass sie Männern mehr Rechte […]

Glück ist käuflich, aber…

Man hört und liest viel von der Emanzipation der Frau. Das ist gut so. Nur hört die Betrachtung leider oft mit dem Zitat irgendwelcher Studien auf, die eine Benachteiligung von Frauen durch Differenzen bei den Löhnen zu beweisen suchen. Die Ehe, eine Institution, die von Feministinnen häufig dafür kritisiert wird, dass sie Männern mehr Rechte einräumt als Frauen, verdient einen zweiten Blick. Richtig ist: Männer auf der ganzen Welt verteidigen ihre ehelichen, von Staat und religiösen Führern garantierten Vorteile. Im Islam etwa ist Männern die Heirat von bis zu vier Frauen gestattet. Dies rührt daher, dass in Kriegszeiten, in denen viele Männer als Soldaten ums Leben kamen, daheimgebliebene Frauen unverheiratet blieben – und keinen Nachwuchs gebären durften. Die Regierungen taten, was sie stets tun. Sie versuchten, mit Gesetzen Verluste auszugleichen. In diesem Fall: durch Legalisierung der Polygamie für Nachkommen zu sorgen. Sie übertrugen den verbliebenen Männern die Aufgabe, sich um die überzähligen Frauen zu «kümmern» – diesen Status verteidigen sie bis heute.

Frauen sind kreativ, der Krieg der Geschlechter bleibt auch für sie ein nicht endendes Abenteuer. Tatsächliche Emanzipation bedarf überall auf der Welt individueller, weiblicher Strategien, die sich unter dem Radar des Offensichtlichen abspielen, fern von Gesetzen – und auch jenseits von dogmatischen Moralvorstellungen. Kürzlich erst hörte ich von der Geschichte einer jungen Muslimin, die ihren Liebhaber dazu brachte, zu ihrer sexuellen Beglückung unter einer Burka ins Haus zu schleichen, damit ihr Mann nichts davon mitbekam. Die Frau war klug, der Mann je nach Perspektive mutig oder dumm, denn das Tragen des heiligen Gewands ist für Männer strikt untersagt und kann extreme Strafen zur Folge haben.

Bei uns, in der westlichen Welt, sieht die Sache nur scheinbar anders aus. In den höheren gesellschaftlichen Kreisen ist die Scheinehe weit verbreitet. Ich rede von den «Goldgräberinnen», die auf ihr Recht pochen, in einen Privatjet einzuheiraten. Die Frauen einer sexualrevolutionierten Welt, die Postfeministinnen spielen ihre vorrevolutionäre Rolle erfolgreich weiter: kurze Röcke, High Heels, Make-up und Schönheits-OPs. Sie nutzen die Vorteile dieser Rolle, sie haben gelernt, dass die trügerische Schablone weiblicher Attraktivität auch weiterhin Türen öffnet. Sie eröffnet ihnen paradoxerweise den Zugang zu jenen Männern, die selbst an den Schalthebeln der Frauenbild-Industrie sitzen.

Die Frauen des 21. Jahrhunderts folgen vordergründig den Regeln, verkaufen sich, stellen sich dumm und tanzen sogar halb nackt in schlecht produzierten Samstagabendshows, in denen dicke Männer sich das Recht herausnehmen, Witze darüber zu machen. Sind diese Frauen die Opfer eines allgegenwärtigen «Sex- Sells»-Systems, wie Feministinnen behaupten? Oder bestreiten sie vielmehr einen unterschwelligen Machtkampf, wenn sie ihre vermeintliche Unterlegenheit zur Schau stellen und gewinnbringend einsetzen? Vergessen wir nicht: Manchmal ist es einfacher, weibliche Reize nutzbar zu machen, als jeden Morgen aufzustehen, kilometerweit zur Arbeit zu fahren, dort zu arbeiten wie ein Mann, respektiert zu werden wie einer, um schliesslich heimzukommen und den Tag dann auch noch als Supermami abzuschliessen.

Aber liegen die Frauen, die Unternehmen führen, Politik machen, an Universitäten lehren oder an anderer Stelle Verantwortung übernehmen, falsch, wenn sie sich auf diesem Weg ihre Unabhängigkeit erarbeiten? Nun, die Frau, die einen Millionär heiratet, kann mit weniger Aufwand grössere Sprünge auf der sozialen Leiter machen. Doch mit keinem Geld der Welt kann sie sich das Selbstbewusstsein und die tiefe Zufriedenheit erkaufen, die sie allein durch persönlichen Einsatz, durch eigene harte Arbeit erhält. Glück ist käuflich – aber nur mit den individuellen Ressourcen, die Frau sich zuvor selbst verdient hat.

«Jeden Monat frische Denküberraschungen! Eine gehaltvolle und elegant gestaltete Zeitschrift.»
Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
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