Globus – das Besondere im Alltag. Das Warenhaus als Spiegel der Gesellschaft

Der Globus ist ein Warenhaus…

…oder trägt die Erdkugel gar den Namen des Warenhauses? Dann müsste die Erde ein Einkaufsparadies sein. Das Kaufhaus Globus jedenfalls ist eines – und dies seit nunmehr hundert Jahren. Dies wird von Globus stilvoll gefeiert, und zwar mit dem für ihn typischen Hauch von Luxus und Exklusivität. Beides ist auch im Jubiläumsbuch zu spüren, mit dem Globus sich selbstbewusst präsentiert.

Schon beim Blättern verliert man sich. Da ist das Inserat, das 1925 für die neueste technische Errungenschaft wirbt: für Ventus, den Staubsauger, der auch als «Heisslufthaartrockner» zu benutzen ist. Da sind charmante Bilder aus der Hauszeitung, die das typische Interieur der dreissiger Jahre zeigen oder Szenen von der Globus-Modenschau 1939 festhalten – grosse Blumenmuster sind angesagt. «Verkleinerungen von Kriegsmaschinen», so teilt 1965 ein Weihnachtsinserat mit, gehören nicht in Kinderhände, «und deshalb verkaufen wir im Globus diese Art ‹Spiel’-Zeug› nicht». Da ist, aus dem Jahr 1977, die peppig-freche und politisch-augenzwinkernde Werbung für Spezialitäten aus China. Sie brachte die chinesische Botschaft so auf, dass das Heer der uniformierten Pappchinesen abmarschieren musste, die da in Reih und Glied im Hintergrund des Schaufensters standen. Die siebziger Jahre können gar nicht so muffig-braun gewesen sein, die Modefotos beweisen es. Allerdings ist man geneigt, das beim Betrachten der seinerzeit trendigen Polstermöbel gleich wieder zu bezweifeln.

Unweigerlich begibt man sich so auf eine Zeitreise, die durch die eigene Vergangenheit hin mitten die Gegenwart führt: wer hat Globi nicht geliebt? Wer kennt nicht den gespitzten Rotstiftstummel und den dazugehörigen Slogan «Wer rechnet, kauft im Globus»! Das Plakat, 1942 entworfen, wird von Globus noch immer als Ausverkaufswerbung verwendet.

Der Band – eine besondere Werbung? Freilich, das ist er. Aber er ist auch ein besonderes Geschichtsbuch, nämlich eines, das hundert Jahre Zeitgeschichte in Schweizer Waren- und Konsumgeschichte spiegelt, dabei ein Kapitel Sozialgeschichte aufblättert und alles in allem die Geschichte eines besonderen Schweizer Unternehmens zu einer unterhaltsamen Lektüre macht. Das allein schon darf gefeiert werden, meine ich, und feiere es auf meine Weise: mit etwas Besonderem aus Globus Delikatessa.

vorgestellt von Ute Kröger, Kilchberg

Ernst Pfenninger: «Globus – das Besondere im Alltag. Das Warenhaus als Spiegel der Gesellschaft». Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2007.

«Unverzichtbare Lektüre:
eine intellektuelle Zündkerze, die das
Weiterdenken in Gang bringt.»
Wolf Lotter, Autor und Mitgründer von «brand eins»,
über den «Schweizer Monat»