Geld, Gold und Zürich

Ausstellungen der Musée Suisse-Gruppe

Das Landesmuseum und das Museum Bärengasse, beide in Zürich und beide zur Musée Suisse-Gruppe gehörend, befassen sich in zwei zeitlich parallelen Ausstellungen mit dem Rückblick und dem Ausblick auf zwei schweizerische Phänomene: Kreativität und Geld.

Im Museum Bärengasse wird anhand von 21 Stationen aufgezeigt, dass sich die Zürcher tatsächlich von der Antike bis in die Gegenwart intensiv mit Geld und Gold befasst haben. Bereits am Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr., so belegt eine erste Station mit keltischen Münzen, ergänzte die Geldwirtschaft im Raum des heutigen Zürich die Naturalwirtschaft. Mitte des 16. Jahrhunderts gibt es sogar schon erste Ansätze eines «Bankgeheimnisses», indem die Stadtregierung aus den Überschüssen des säkularisierten Eigentums der Klöster und Kirchen einen geheimen Staatsschatz anlegte, diesen im Grossmünster lagerte und daraus Darlehen gewährte. Kunstobjekte ergänzen die historische Aufarbeitung des Verhältnisses der Zürcher zu eigenem und fremdem Geld. Darunter eine Figurengruppe «Drei Gnomen» des Künstlers Imre Peter Mesterhàzy, 2006, zum Thema «Bankgeheimnis» und ein Ausschnitt aus einem fünfteiligen Wandbild von Rodja Galli zum Finanzplatz Zürich: eine «göttliche» Hand zeichnet eine blitzähnliche Indexkurve in den Himmel und entscheidet damit über Reichtum oder Armut.

Das Landesmuseum zeigt unter dem Titel «Preview» eine thematisch präsentierte Auswahl von Objekten und Kunst, die die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts dokumentieren und im Sinne einer Vorschau auch eine «Hauptprobe» ist für die im erweiterten Bau vorgesehene Präsentation der jüngsten Zeitgeschichte. «Geld und Gold» lautet auch eines der zehn Themen, die in der vormaligen Ruhmeshalle als Streifzug durch die Schweiz im 20. Jahrhundert konzipiert sind. Die Bogenfelder der Halle – auf der einen Seite der «Rückzug von Marignano» von Ferdinand Hodler (1917) und auf der anderen Seite die Audio-Video-Installation «Herbstzeitlose» von Pipilotti Rist aus dem Jahr 2006 – zeigen den Spannungsbogen. Sowohl Rist wie Hodler befassen sich mit Schweizer Identität und Mentalität. Hodler kämpferisch-kritisch, während Rist einen sanfteren, aber nicht weniger kritischen Blick auf die vordergründig so farbige und grüne Landschaft wirft. Die neun weiteren Themen: «Lebenswelten», «Innovation», «Arbeit», «Luxus», «Konsumkultur», «Ladies First», «Ausstellung Schweiz» und «Heimat» beleuchten die Widersprüchlichkeit, die karge Vergangenheit und üppige Gegenwart im 20. Jahrhundert auslösten.

In den letzten 15 Jahren hat das Landesmuseum rund 28’000 Objekte gesammelt, die stellvertretend für die Geschichte der Schweiz im vergangenen Jahrhundert sind. Viele davon sind gleichzeitig Zeugnisse der Kunst- und der politischen Geschichte der Schweiz: das Akris-Kleid, in dem Elisabeth Kopp 1984 vereidigt wurde, ebenso wie Varlins Bild «Die Völlerei», gemalt für die Landesausstellung 1964 als eine Kritik an der Wohlstandsgesellschaft. Auch Ben Vautiers Bild «Suiza no existe», das 1992 an der Expo in Barcelona eine heftige Diskussion auslöste, gehört zur Sammlung. Für die Gegensätze, die den Aufstieg der Schweiz prägten, stehen die wirtschaftlichen Initiativen einzelner wie eines Alfred Escher neben dem Einsatz vieler Gastarbeiter, die erste Schneekanone neben den Atommüllfässern, mit denen Greenpeace 1964 auf seine Anliegen aufmerksam machte. Diese ernste, aber auch spielerische Auseinandersetzung mit konträren Positionen zu zeigen und zur Diskussion zu stellen, ist das verdienstvolle Anliegen beider Häuser.

Die Ausstellung «Die Zürcher und ihr Geld» ist bis zum 4. März 2007 im Museum Bärengasse, Zürich, zu sehen (www.musee-suisse.ch),

die Ausstellung «PREVIEW – Streifzug durch die Schweiz im 20. Jahrhundert» bis zum 29. Oktober 2006 im Landesmuseum, Zürich (www.musee-suisse.ch).

JULIANA SCHWAGER-JEBBINK berichtet für die «Schweizer Monatshefte» über Kunstausstellungen. Sie lebt und arbeitet in St. Gallen und Zürich.

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