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Konrad Hummler, zvg.

Geist ist Geil

5 Fragen an Konrad Hummler.

 

Welches Kulturerlebnis hat Sie zuletzt begeistert und warum?

Das Verfassen eines Einladungsbriefs zur Aufführung der Kantate BWV 106 «Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit (Actus Tragicus)» von Johann Sebastian Bach. Diese Aufgabe obliegt mir als Präsident der Bach-Stiftung St. Gallen. Die Musik des damals 22jährigen Komponisten ist ohnehin unübertrefflich. Aber der Kantatentext! Kein Wort zu viel, keinerlei Geschwurbel. Im Zentrum: «Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen» – und das zum Auftakt der Coronakrise! BWV 106 ist Weltmusik. Ihr Text ist ­jüdisch-christliches Welterbe.

Welches Werk hat eine Weichenstellung in Ihrem Leben oder Denken bewirkt?

Die Matthäuspassion von Bach, die ich als Knabensopran mit 11 Jahren mitsingen durfte. Von da an war mir klar, dass ich mein Leben nicht mehr ohne Bach würde zubringen können. Der Rest fiel mir dann weitgehend zu, der wirtschaftliche Erfolg und damit die Möglichkeit zur Errichtung der Bach-Stiftung.

Welches ältere Werk lohnt sich auch heute noch oder immer wieder?

Auf die Gefahr hin, kulturell penetrant zu erscheinen: Aber ­Goethes «Faust» (beide Teile) bedeutet mir immer noch sehr viel. Man kann ihn kaum fertiglesen, immer findet man wieder etwas Neues, Überraschendes. Goethe ist und bleibt einfach hochkonzentriertes Elixir.

Woran fehlt es Ihrer Meinung nach gerade im Kulturbetrieb?

Es fehlt nicht, es hat eher zu viel. Was fehlt, ist mutige Kritik: Musikkritik, Architekturkritik, Literaturkritik usw. Der inflationär gewordene und weitgehend selbstreferentiell subventionierte Kulturbetrieb müsste viel häufiger und professioneller ­entblösst werden. Das qualitative Korrektiv fehlt weitgehend, es tummeln sich zu viele Halbkönner.

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachtkästchen?

Das Bändchen «101 Asservate» von Thomas Böhme. Er holt alte Ausdrücke aus der Schatzkammer der Sprache und kommentiert sie mit unnachahmlichem Humor. Sehr deutsch, aber richtig sympathisch.

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