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Martin Meyer fotografiert von Dominique Meienberg.

Geist ist geil

5 Fragen an Martin Meyer.

Welches Kulturerlebnis hat Sie zuletzt begeistert?

Mehrere, und teilweise trotz Corona: das Eröffnungskonzert des diesjährigen Lucerne Festival mit der phänomenalen Martha Argerich – live unter erschwerten Bedingungen, aber umso packender und ergreifender. Dann der Schauspieler und Rezitator Gian Rupf, der in der Alten Anatomie des Zürcher Universitätsspitals aus meiner Erzählung «Corona» vorgelesen hat. Ich war erstaunt über die hohe Qualität des Texts… Schliesslich die neueste Staffel von «Babylon Berlin» auf Netflix; ein Epos, das immer besser wird.

Welches Werk hat eine Weichenstellung in Ihrem Leben oder Denken bewirkt?

Marcel Prousts grosser Roman «A la recherche du temps perdu». Ein Werk, das man immer wieder zur Hand nimmt und in dem man immer wieder Neues – und natürlich immer wieder auch sich selbst – findet. Nichts ist verloren, wenn es in Kunst verwandelt wird. Das ist die Botschaft.

Wem vertrauen Sie bei Tips in Sachen Kultur?

Dem Feuilleton der «Neuen Zürcher Zeitung», zum Beispiel. Der «New York Review of Books». Aber auch meiner Frau Megan und einem Freundeskreis, der sehr kultur­affin ist, ohne verbohrt zu sein.

Woran fehlt es Ihrer Meinung nach gerade im Kulturbetrieb?

An einer gewissen spielerischen Ironie, an Coolness, an der Bereitschaft, Vieles und auch Gegenläufiges ohne ideologische Vorbehalte gelten zu lassen. Kultur ist nicht ständig unter den Dauerstress der Weltverbesserung zu stellen.

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachtkästchen?

Karl Schlögels faszinierendes Buch «Der Duft der Impe­rien» (Hanser, 2020) über die Karriere, die das Parfum Chanel No 5 im Moskau der roten Zaren gemacht hat.

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