Kathy Zarnegin, fotografiert von Heiner Grieder

Geist ist geil

Fünf Fragen an Kathy Zarnegin.

 

Welches Kulturerlebnis hat Sie zuletzt begeistert und warum?

Finden Sie nicht auch, dass Kulturerlebnis und Erlebniskultur fast zu Synonymen geworden sind? Ich versuche, soweit es geht, Kultur als Erlebnis zu vermeiden…

Welches Werk hat eine Weichenstellung in Ihrem Leben oder in Ihrem Denken bewirkt?

Es sind so viele Bücher, die mich erzogen haben – die Antwort kann nur ungerecht ausfallen. An den Vorher-Nachher-Effekt kann ich mich allerdings bei Freud, Albert Cohen, Camus, Hegel, Maurice Blanchot, Hannah Arendt, Paul Celan, Lacan, Anne Duden und Musil heute noch gut erinnern.

Welches ältere Werk lohnt sich noch heute bzw. immer wieder?

Herbert Marcuse, Günther Anders und Siegfried Kracauer, die vor über einem halben Jahrhundert gesellschaftliche Entwicklungen so luzide vorausgesehen und interpretiert haben. Und immer wieder Montaigne, die Bibel oder Bertolt Brechts Gedichte.

Woran fehlt es Ihrer Meinung nach aktuell im Kultur­betrieb?

Offene, vor allem fundierte Diskussionen, ohne stigma­tisiert zu werden, und Mut zur Kritik, jenseits von Tagestrends, marketingtauglichen Betroffenheitskriterien und ökonomischen Erwägungen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Dummheit des Internets alle Lebensbereiche erfasst.

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachtkästchen?

James Baldwins «Giovannis Zimmer» und Matthias Schroeters «Die Industrialisierung des Gehirns».

«Der ‹Schweizer Monat› scheut sich
nicht vor schwierigen Themen.
Kontrovers und klug!»
Claudia Franziska Brühwiler, Politikwissenschafterin,
über den «Schweizer Monat»