Gandalf und Superman

Seit Jahren predigen Sie die Entmathematisierung der Ökonomie, fordern stattdessen die Reaktivierung von Mythen und Geschichten. Nehmen Ihre Ökonomiekollegen Sie eigentlich noch ernst?

Gandalf und Superman

Griechische Mythen und Geschichten von Gandalf dem Zauberer – die meistgehörte Kritik zur Aktualisierung solcher Narrationen lautete wie folgt: «Klingt interessant, aber ich weiss nicht, wie ich diese Geschichten mit meiner ökonomischen Arbeit verbinden soll.»

Was vielen Kollegen offenbar fehlt, ist der Wille zur intellektuellen Transferleistung. Sie schauen aus Betriebsblindheit nicht hinter die Fassade dieser Geschichten. Das geht aber nicht nur ihnen so. Beispiel Popkultur: Erinnern Sie sich an den letzten Superman-Film «Man of Steel» von 2013? Einige Kinobesucher denken sich nicht viel bei der Comicverfilmung, sie wollen unterhalten werden, es knallt und ist bunt – sie also sind mit der Vorstellung zufrieden. Für andere aber bietet der Film mehr. Mich fasziniert die Superman-Idee zunächst sozioökonomisch, genauer: spannend ist der zentrale, urmenschliche Konflikt des Stoffes. Es geht um jemanden, der seine wahren Kräfte verstecken muss, seine Stärken nicht zeigen darf. Und darum, wie man als Mensch mit diesem Konflikt umgeht. Dahinter steckt ja nicht nur eine Botschaft des Christentums, sondern auch eine zentrale Erfolgsstrategie in der Wirtschaft: Enthülle deine Kräfte nicht unnötigerweise, desavouiere niemanden. Zeige dich nicht überheblich, sondern kooperativ – aber handle entschlossen und im Guten. Ein zeitloser Stoff.

Der Comicmythos um den blauen Überflieger entstand übrigens schon in den 1930er Jahren, als Jerry Siegel und Joe Shuster ihn entwarfen. Als in Deutschland Hitler an die Macht kam (und Propagandaminister Joseph Goebbels den Comic höchstselbst verbot), träumten im Rest der Welt die Menschen von Helden, die sie vor diesem sich aufschwingenden Bösen beschützen. Und: die Angst vor dem Bösen stirbt nie, deshalb ist auch Superman bis heute ein Thema. Er – und der Kern aller guten Geschichten und Mythen – überdauert die Zeit und wird hin und wieder, sofern es Sinn macht, reaktiviert. Nichts anderes schlage ich im Hinblick auf die Ökonomie vor: Wiederentdecken und wertschätzen, was irgendwann verlorenging.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»