Futterkrippenplätze

Das hätten Sie nicht gedacht: Die Schweiz ist in puncto Krippenplätze für Kinder europäische Spitze! Jedenfalls, was die Kosten pro Krippenplatz angeht. Die machen im Durchschnitt ein Drittel eines helvetischen Haushalteinkommens aus (in den Nachbarländern 9 – 19 Prozent). Sind mit anderen Worten für Familien, vor allem für solche mit mehr als einem Kind, prohibitiv. Davon hörte […]

Das hätten Sie nicht gedacht: Die Schweiz ist in puncto Krippenplätze für Kinder europäische Spitze! Jedenfalls, was die Kosten pro Krippenplatz angeht. Die machen im Durchschnitt ein Drittel eines helvetischen Haushalteinkommens aus (in den Nachbarländern 9 – 19 Prozent). Sind mit anderen Worten für Familien, vor allem für solche mit mehr als einem Kind, prohibitiv.

Davon hörte man in den Wochen vor dem 3. März wenig. Und auch danach herrschte vor allem eines: Jammern und Wehklagen, weil der Familienartikel wegen des fehlenden Ständemehrs abgelehnt worden war. Wieder einmal hätten konservative Deutschschweizer Kleinkantone die Agglomerationen und die Romandie daran gehindert, kinder- und familienfreundlicher zu werden. Die Schuldigen waren schnell benannt: der Föderalismus und die SVP.

Wenn es doch nur so einfach wäre. Aber die Hindernisse einer vernünftigen, bezahlbaren Kinderbetreuung ausser Haus sind nicht in Appenzell oder Wolfenschiessen zu suchen. Sondern in den Städten selbst, die nach einer Bundeskompetenz für – so das Fachchinesisch – «familienergänzende Kinderbetreuung» gerufen hatten. Dort ist eine Bürokratie entstanden, die mit ihren starren und oft unsinnigen Vorschriften und Auflagen die Krippenkosten in die Höhe treibt.

Im dicken Kita-Handbuch des Verbands der Kindertagesstätten Schweiz, das mit Hilfe des Zürcher Sozialdepartements professionalisiert wurde, werden hohe (und teure) Mindestvorschriften für Zahl und Ausbildung der Betreuer gemacht. Zudem werden für Kinder so ungeheuer wichtige Standards wie die Kühlschranktemperatur, der Dampfabzug in der Küche und bauliche Massnahmen wie der Einbau eines Behinderten-WCs vorgeschrieben – auch wenn die Kita keine behinderten Kinder betreut. Wer eine Kita eröffnen will, muss seiner Bewerbung Konzepte sonder Zahl vorlegen – natürlich auch ein Finanzierungskonzept für sechs Jahre.

Ich warte nur darauf, bis auch Eltern sich mit einem Dossier für die Betreuung der eigenen Kinder bewerben müssen. Finanzierungskonzept inklusive.

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