Funny Sorrows

Generation Y?

Fanny. So hiess das Pferd, mit dem meine Mutter aufwuchs. Es klebte nicht als Wendy-Poster an der Wand ihres mit zwei Schwestern geteilten Kinderzimmers, sondern stand im Einsatz des Camionnageunternehmens, das mein Grossvater immer knapp am Konkurs vorbeiführte. Es trottete nicht durch eine vorindustrielle Bauernschweiz, sondern transportierte noch Ende der 1960er Jahre Waren durch eine solothurnische Kleinstadt. Wenn ich weniger als ein halbes Jahrhundert später auf meinem flimmerfreien Bildschirm lese, dass die Eltern uns 30ern mit ihren Glücksversprechen «einen Bären aufgebunden» (S. 27) und das bessere Ende für sich behalten haben,
kann ich mich nur wundern. Und ärgern über ein Denken, das die Freiheit beklagt, die wir geniessen.

Während meiner Mutter selbst die Ausbildung zur Haushaltslehrerin versagt geblieben war – einen solch kostspieligen Berufsweg sollte einzig der Sohn der Familie beschreiten –, stand und steht ihren beiden Kindern jede Welt offen. In guten Schulen zu kritischem Denken erzogen, wussten wir wohl, was wir wählten, als wir Anwalt respektive Historikerin wurden: Im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte haben wir
uns dann wie stets für das entschieden, was uns gefiel; Paragraphen und Geld auf der einen, Bücher und Staub auf der andern Seite – dass Spezialisten für die Schulbücher des Vichy-Regimes keine gefragte Spezies sind, ahnte ich immer. Die Promotion als «rote Kirsche auf der Sahnehaube der Berufsausbildung»? Quatsch mit Sauce! Die Promotion ist die Krönung unserer radikal auf eigene Interessen
ausgerichteten Laufbahnen.

 Wie sind wir privilegiert, uns solche Um- und Abwege leisten (oder gar bezahlen lassen) zu können! Dass das Terrain dabei nicht durchgehend geteert ist, mag als Makel sehen, wer meint, sein Leben stehe unter Glücksgarantie. Eine solche haben wir nicht – aber tausend Möglichkeiten, unseren Träumen nachzugehen; notfalls gestützt auf irgendeinen soliden Sockel. Manchmal mag das streng sein und ernüchternd, manchmal mag man strampeln müssen. Aber wir strampeln über flauschigen Fangmatten und immer durch Zuckerwatte: zum Zweck einer hedonistischen Selbstverwirklichung, von der meine Mutter nicht zu träumen gewagt hätte.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»