Fuchs, nicht Igel

Der Fuchs weiss viele verschiedene Sachen, der Igel aber nur eine grosse.» In seinem berühmten Essay unterteilt der politische Philosoph Isaiah Berlin die Welt in zwei Denkertypen: den Fuchs und den Igel. Er unterstreicht die Tugenden des Fuchses, der schnell, intelligent und listig in der Welt unterwegs ist, während der Igel nur eine Geschwindigkeit kennt […]

Der Fuchs weiss viele verschiedene Sachen, der Igel aber nur eine grosse.» In seinem berühmten Essay unterteilt der politische Philosoph Isaiah Berlin die Welt in zwei Denkertypen: den Fuchs und den Igel. Er unterstreicht die Tugenden des Fuchses, der schnell, intelligent und listig in der Welt unterwegs ist, während der Igel nur eine Geschwindigkeit kennt und sich langsam fortbewegt.

Folgen wir dieser Argumentation, erkennen wir in der Vergangenheit des Bankenplatzes Schweiz einen langsamen, schwerfälligen Igel, der sich, mit den Stacheln des Bankgeheimnisses gewappnet, mit aller Kraft gegen Öffnung und internationale Akzeptanz des Finanzplatzes gewehrt hat. Die über lange Zeit vorherrschende Meinung, das Ausland sei der Totengräber des Schweizer Finanz-platzes, ist fatal und bequem. Und falsch.

Was wäre eine alternative Zukunft? Der Finanzplatz kann, darf, ja soll sich als ein internationales Zentrum für die Vermögensverwaltung von privaten und institutionellen Kunden profilieren! In dieser Hinsicht sollte die Schweiz ihre Rolle als globale Drehscheibe von grenzüberschreitenden Investitionsvehikeln und Finanzaktivitäten sogar dringend erweitern (insbesondere mit Infrastrukturfonds, Impact- und Sustainability Investments und der Ansiedlung eines neuen Investitions-Hub im Venture-Capital-Bereich).

Weiter braucht es eine konstruktive Regulierung, die die internationale Akzeptanz des schweizerischen Finanzplatzes fördert. Die politische Regulation muss dabei inklusive, voraussehbar und planbar sein und stabile Bedingungen schaffen. Die derzeitige Fidleg-Reform vermag in dieser Hinsicht nicht zu überzeugen. Das Zauberwort heisst vielmehr «Wettbewerbsfähigkeitsförderung». Ziel können nur gleich lange Spiesse ohne Swiss Finish sein.

Schliesslich hängt der Erfolg der Banken auch von ihrem Geschick und ihrer Flexibilität ab, neue Märkte zu erschliessen – besonders in Europa und den aufstrebenden Märkten. Der dauerhafte Zugang zu den ausländischen Märkten ist essentiell. Hier ist der Bundesrat gefordert. Vorab bedeutet dies die Entwicklung eines Netzes von binationalen Verhandlungen mit bedeutenden Ländern, in der EU und ausserhalb.

Während sich der Igel hinter einer eingebildeten Schutzbarriere versteckt, bleibt der Fuchs ständig in Bewegung: eine globale Strategie von gezielten, bilateralen Verhandlungen für den Marktzugang; eine innere Anstrengung, die Regulierung als gleichwertig anzupassen; ein breiteres und innovatives Angebot im Bereich nachhaltiger Investitionen.

Oder um es mit den Worten der Fabel zu sagen: Wir können einer grossen, alten Idee nachtrauern. Oder mutig neue Wege beschreiten!

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»