Frische Brise vom Bodensee

Frische Brise vom Bodensee

«Lieben belebt», wusste Goethe. Die Mitwirkung am Aufbau einer anspruchsvollen, international ausgerichteten privaten Universität in Deutschland auch. Eine belebende Erfahrung.

Dabei wollte ich – angesichts der Selbstdarstellung dieser Zeppelin University als «toll. kühn. neu. gierig.» – gleich abwinken. Tollkühnes haben wir in den letzten Jahren schliesslich schon genug erlebt, in Wirtschaft wie in Politik und Gesellschaft. Andererseits, mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung in Lehre, Verwaltung und Ordnungspolitik haben mich davon überzeugt: Der Schlüssel zur Bewältigung der materiellen und mentalen Probleme unseres Landes liegt in der Heranbildung kompetenter, leistungs- und verantwortungsbereiter Menschen. Nirgendwo sonst. Es lohnt sich also, dafür etwas zu wagen.

Zum Mitgestalten bewogen haben mich die Konzeption dieser Universität sowie die sich dafür engagierenden Menschen. «Pioniergeist statt eines fragwürdigen Eliteverständnisses». Mit dieser Vorgabe soll den derzeit hundert Studenten (Zielgrösse 800) vor allem die Fähigkeit zu effizientem, vorausschauenden Management vermittelt werden, mit Bachelor- und demnächst Master-Abschlüssen in internationaler Betriebswirtschaft, in Kultur- und Kommunikations- sowie in Politik- und Verwaltungswissenschaft. Responsible corporate, cultural and public governance also. Heute erscheinen sie manchmal wie Mangelware.

Zur Gesamtkonzeption gehören Auslandstudium und dortige Praktika, diese unter anderem vermittelt durch Unternehmen, die sich ihre Praktikanten bereits an der Uni aussuchen und ihnen dann weltweit Betriebserfahrungen anbieten. Weiteres Merkmal ist die fächerübergreifende Zusammenarbeit in Forschung und Lehre. Mit Blick auf diese Fähigkeit werden auch die Lehrstühle besetzt. Denn nur aus ganzheitlicher Sicht und mit den daraus zu entwickelnden Instrumenten können wir die Dauerblockaden in Politik und Gesellschaft lösen und die Zukunft wieder für uns gewinnen.

Zu begeistern vermögen schliesslich die Menschen, die diese Universität zu ihrer Sache machen – von den überzeugten Förderern über alle, die hier lehren und studieren, bis hin zur Universitätsspitze. Mit Stephan A. Jansen, dem Ökonomen mit wissenschaftlicher und praktischer Erfahrung im In- und Ausland, hat die Zeppelin University den vielzitierten jüngsten Universitätspräsidenten Deutschlands gewonnen. Der aber hat sich den wohl ältesten Aufbauhelfer geholt – eine Konstruktion, die an staatlichen Universitäten gar nicht möglich wäre. Ein «Generationenprojekt» übrigens, das sich im gesamten Lehrkörper fortsetzt. Da werden jung berufene Spitzenkräfte durch namhafte ältere Professoren ergänzt, denen im staatlichen Sektor ein herausfordernder Wechsel geradezu unmöglich gemacht würde.

Und auch die Finanzierung des Ganzen ist bemerkenswert. Viele tragen zu ihr bei, und das alles ohne Staat und Steuerzahler. Zum einen die nach Motivation und Leistung sorgfältig ausgesuchten Studenten mit ihren Studiengebühren. Ihnen öffnet, wo nötig, ein nachahmenswertes Darlehensmodell Tür und Tor. Sodann die Förderer der Universität – vorausschauende Unternehmer der Region und aus ganz Deutschland. Und schliesslich eine beispielhafte Ausfallgarantie der Zeppelin GmbH, die der gemeinnützigen Zwecken dienenden Stiftung gleichen Namens gehört. Das alles erzeugt eine Aufbruchstimmung, wie wir sie heute wieder brauchen, um die vom neuen Bundespräsidenten, Horst Köhler, geforderten «zweiten Gründerjahre» für Deutschland einzuläuten..

Am Seemoser Horn in Friedrichshafen jedenfalls spürt man den frischen Wind tagtäglich. Kein Wunder, liegt doch der Campus direkt am Bodensee. Der imposante Blick auf die nahe Schweizer Seite mit ihren schneebedeckten Bergen steigert noch die Lebensfreude. Und dem Nachdenklichen schärft er das Problembewusstsein.

Gert Dahlmanns, früher Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft und Politik, ist Special Advisor der Zeppelin University in Friedrichshafen.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»