Freiheit siegt – aber nur, wenn die Freiheitlichen nicht die Fehler der Linken wiederholen
Nach Jahrzehnten der Freiheitseinschränkungen und Bevormundung erleben wir einen politischen Wechsel. Doch Macht ist gefährlich, wenn sie falsch eingesetzt wird.
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Wir stehen an einem Wendepunkt der Geschichte. Ein vielbeachteter Bericht der britischen Zeitung «The Telegraph» kommt zum Schluss, dass linke Parteien weltweit die tiefste Zustimmung seit dem Kalten Krieg haben. Jahrzehntelang hat sich der Sozialismus in die Gesellschaft eingefressen. Nun schwingt das Pendel in die andere Richtung.
Seit 1989 beobachten wir, wie Zentralisierung, Bürokratie und Technokratie unsere Freiheiten einschränkten. Sozialistische Ideen infiltrierten alle politischen Lager.
Sternstunde in Kloten
Doch jetzt bricht etwas auf. Die Menschen erwachen. Sie sind müde von der Bevormundung, von der endlosen Angstpropaganda – der geschürten Angst vor dem Klimawandel, vor Viren, vor «falschen» Meinungen. Diese Angst wurde genutzt, um immer neue Steuern, Vorschriften und Einschränkungen zu rechtfertigen. Doch Angst hat eine Halbwertszeit – und die Linke hat ihre Grenzen überschritten.
Was einst Gleichberechtigung bedeutete, wurde zur Ideologie der Bevorzugung. Wer für freien Diskurs einstand, wurde mundtot gemacht. Doch die Menschen lassen sich nicht mehr täuschen. Sie sehen, dass es nicht um Gerechtigkeit geht, sondern um Kontrolle.
Ich habe diesen Wandel mit eigenen Augen gesehen. Als der libertäre argentinische Präsident Javier Milei Ende Januar in Kloten beim Liberalen Institut sprach, füllten 600 Menschen den Raum – von 16 bis 85 Jahren, Unternehmer, Wissenschafter, Arbeiter, Frauen und Männer. Menschen, die normalerweise zurückhaltend sind, riefen «Libertad!» mit erhobenen Fäusten. Während bei linken Demonstrationen oft ein verbittertes und aggressives Klima herrscht, war hier Hoffnung und Optimismus zu spüren. Ein Geist, der an die 1980er erinnert, als Ronald Reagan von den USA als der «shining city on a hill» sprach.
Nicht die gleichen Fehler machen
Ja, der Wind dreht sich. Der Sozialismus verliert an Boden. Aber Macht ist gefährlich. Die Geschichte zeigt, dass Macht korrumpiert – unabhängig davon, wer sie besitzt.
«Die Geschichte zeigt, dass Macht korrumpiert – unabhängig davon, wer sie besitzt.»
General Henri Dufour, eine der grössten Persönlichkeiten der Schweiz, sprach am Vorabend des Sonderbundskrieges zu seinen Truppen: «Soldaten, ihr müsst aus diesem Kampf nicht nur siegreich, sondern auch vorwurfsfrei hervorgehen. Man muss von euch sagen können: Sie haben tapfer gekämpft, wo es nottat, sich aber grossmütig und menschlich gezeigt.»
Genau das muss auch unser Massstab sein. Wir Libertären und klassisch Liberalen dürfen nicht die gleichen Fehler machen wie diejenigen, die vor uns an der Macht waren. Wir müssen besser sein.
Unsere Überlegenheit zeigt sich nicht in Verboten, sondern in besseren Argumenten. Wir dürfen keine Stimmen unterdrücken, auch nicht die unserer Gegner. Wir müssen die Freiheit des Wortes verteidigen, selbst wenn die Ideen uns nicht gefallen. Die Stärke des liberalen Denkens liegt in der offenen Debatte. Wir haben die besseren Ideen. Wir brauchen keine Zensur, keine Cancel Culture.
«Unsere Überlegenheit zeigt sich nicht in Verboten, sondern in besseren Argumenten.»
Es ist positiv, dass liberale Ideen einen Aufschwung erleben, aber damit einhergehend kommt auch Verantwortung. Wollen wir in 30 Jahren als diejenigen gesehen werden, die einst für Freiheit kämpften, nur um dann selbst zu Zensoren zu werden?
Wir müssen besser sein – in Taten, nicht nur in Worten. Wir müssen mit Charakter führen, mit Demut und mit der Bereitschaft, anderen zuzuhören. Die Zeitenwende ist da – nutzen wir sie, um eine wirklich freie Gesellschaft zu gestalten. Jeder von uns trägt Verantwortung dafür.