«Freiheit meint Freiwilligkeit»

Die Konferenz der Textbetreuer: Drei leitende Redaktoren sprechen über den Weg von Versuch und Irrtum, die Ausrichtung des «Schweizer Monats» und den Zustand der bürgerlichen Parteien.

«Freiheit meint Freiwilligkeit»
Ronnie Grob, René Scheu und Robert Nef, fotografiert von Daniel Jung.

 

Robert, du bist 1991 zu den «Schweizer Monatsheften» gekommen. Dein Einstieg fiel in eine bewegte Zeit, richtig?

Robert Nef: Es stimmt, der Start war schwierig. Richard Reich, NZZ-Inlandredaktor und später Direktor der Wirtschaftsförderung, Nationalrat und Präsident der «Monatshefte», war im Februar überraschend verstorben, und mein Vorgänger François Bondy erlitt einen gesundheitlichen Zusammenbruch. Er hoffte danach stets, als Redaktor zurückkehren zu können, doch auch wenn es niemand aussprechen wollte, war klar, dass er nicht mehr zurückkehren konnte.

Woran litt er?

Nef: Ich kannte die Diagnose nicht. Fakt ist: Er konnte nicht mehr schreiben. Für etwa ein Jahr habe ich in Stellvertretung für Bondy geschrieben. Ich mochte Bondy, diesen europäischen Kulturmenschen, den Richard Reich zu den «Monatsheften» geholt hatte. Ich habe ihn aber nie persönlich kennengelernt. Ich habe damals, neben einer Assistentenstelle an der ETH, auch halbtags das Liberale Institut geleitet. Als ich dann zu den «Schweizer Monatsheften» kam, musste ich mir eingestehen, dass drei Halbtagsstellen nicht kompatibel waren. Anstelle der ETH traten dann die «Schweizer Monatshefte».

Von wem bist du vermittelt worden?

Nef: Von Ueli Pfister, einem alten Freund, den ich von der liberalen Studentenschaft und dem Liberalen Institut her kannte. Er erzählte mir, dass der «Monat» in der Not sei, und riet mir, mich zu melden.

Wie bist du dazugestossen, René?

René Scheu: Das ist lustig – ich bin 2007 ebenfalls dazugestossen, um die Not der «Monatshefte» zu lindern. Und das kam so: Ich war Hintergrundredaktor beim «St. Galler Tagblatt». St. Gallen ist klein, irgendwann mussten sich die Wege von Konrad Hummler, damals Präsident der «Monatshefte», und mir kreuzen. Nach einem offiziellen, aber höchst vergnüglichen Gespräch über Gott und die Finanzwelt kamen wir zum Schluss, dass wir uns ab und zu treffen sollten, um unsere intellektuellen Leidenschaften zu teilen: die Philosophie auf der einen, die Mathematik auf der anderen Seite. Wir trafen uns einmal im Monat in der St. Galler Beiz «Barolo».

Und dabei kamt ihr auch auf die «Monatshefte» zu sprechen?

Scheu: Genau. Konrad sagte, dass er einen Nachfolger für dessen Herausgeber suchte, und dieser Herausgeber hiess Robert Nef. Und er sagte auch, dass man aus dem Magazin was machen müsste, weil es sich – finanziell, nicht intellektuell – von Krisensitzung zu Krisensitzung hangelte. Im Frühling 2006 trank ich mit Robert im «Splügen» ein Glas Wein, wir redeten über Gott und die Freiheit. Und: wir verstanden uns auf Anhieb. So kam es, dass ich nach dem Abschluss meiner Philo-Diss. seine Nachfolge antrat – und wir in der Folge hunderte Bahnfahrten zwischen St. Gallen und Zürich gemeinsam verbrachten, 75 Minuten im liberalen Streitgespräch begriffen, ohne Pause, voll fokussiert. Wir redeten uns den Mund fusselig, die anderen Fahrgäste dachten wohl, wir seien zwei Freaks mit überbordendem Mitteilungsbedürfnis.

Erinnerst du dich an deinen ersten Arbeitstag als Herausgeber der «Monatshefte»?

Scheu: Sehr gut sogar. Mein erster Arbeitstag an der Vogelsang­strasse in Zürich war der 2. Mai 2007, ich weiss es noch ganz ­genau, weil ich den arbeitsfreien 1. Mai immer eine lächerliche Erfindung fand. Die erste Begegnung mit der neuen Arbeitsstätte war freilich eine eher traumatische Erfahrung. Ich kam voller Enthusiasmus an. Robert begrüsste mich warmherzig wie immer und zeigte mir meinen Arbeitsplatz: Ich blickte auf ein altes Pult aus den 1960er Jahren, davor ein Stuhl und darauf ein Kabel mit losem Ende. Als ich mich erkundigte, wo mein Büro sein sollte, folgte eine Ausschweifung über den Begriff des Eigentums im liberalen Sinne. Die Pointe war: Ich kaufte mir nun einen Laptop, und fünfzig Prozent davon wurden mir vergütet. Doch blieb der Laptop mein Eigentum. Ich begriff sogleich: Das wird lustig, hier geht’s immer gleich ums grosse Ganze. Dafür gibt’s keine…

«Jeden Monat frische Denküberraschungen! Eine gehaltvolle und elegant gestaltete Zeitschrift.»
Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
über den «Schweizer Monat»