Frau Lorieuthard

«Meine Damen und Herren, Politik bedeutet, und davon sollte man ausgehen, das ist doch, ohne darum herumzureden, in Anbetracht der Situation, in der wir uns befinden» – ziemlich unklar. Also nochmals von vorn: Politik bedeutet, davon muss man ausgehen, dass mit vielen Worten wenig Aussagen gemacht werden. Bei Loriot führt das zu Komik erster Güte. […]

«Meine Damen und Herren, Politik bedeutet, und davon sollte man ausgehen, das ist doch, ohne darum herumzureden, in Anbetracht der Situation, in der wir uns befinden» – ziemlich unklar. Also nochmals von vorn: Politik bedeutet, davon muss man ausgehen, dass mit vielen Worten wenig Aussagen gemacht werden. Bei Loriot führt das zu Komik erster Güte. Im Alltag hingegen zu leichtem Ärger.

Die Arbeit am Dossier zur Energiewende (vgl. Nr. 1017) hat die Redaktion zu vielen kritischen Fragen geführt. Neugierig und wissensdurstig haben wir deshalb die Energieministerin gebeten, sich mit einigen unserer Überlegungen auseinanderzusetzen und ein paar unserer praktischen Fragen zu beantworten. Über ihre Bereitschaft, dies zu tun, haben wir uns sehr gefreut – bis das Resultat ins Haus flatterte und sich leise Enttäuschung bis mittellaut vorgetragener Arbeitsfrust breitmachte: Wie wollte man nur schon einen Titel finden für Sätze, die nichts festhalten und nach mehrmaligem Lesen nicht an Schärfe, sondern bloss an Schwammigkeit gewinnen?

Zugegeben: Energiepolitik ist hochkomplex, überdies, zumal zu Wendezeiten, gezwungen, mit zahlreichen Unbekannten zu rechnen, und mithin also prädestiniert für unscharfe «Potentiale» und «Prioritäten». Selbst wenn man diese Unwägbarkeit in Rechnung stellt, darf aber erstaunen, dass das Bundesamt Fragen, die auf Lebensrealitäten zielen, als «nicht beantwortbar» klassifiziert und zur Streichung empfiehlt. Wohlverstanden: wir wollten weder wissen, aus welcher Höhe man ein Steak fallen lassen muss, damit es durchgebraten auf der Erde landet, noch wie viel Energie aus einem Lichtschwert von Yoda zu gewinnen ist (denn die Antworten auf diese Fragen kennen wir bereits: xkcd.com). Vielmehr hätte uns interessiert, wie hoch eine Lenkungssteuer sein muss, damit sie zum Sparen veranlasst, und für wie viele Haushalte eine Strom­verteuerung um 50 Prozent ein wirtschaftliches Problem bedeuten würde. Aber solche Fragestellungen sind der Politik zu hypothetisch.

«Meine Damen und Herren, wir wollen nicht vergessen, draussen im Lande, und damit möchte ich schliessen. Hier und heute stellen sich die Fragen, und ich glaube, Sie stimmen mit mir überein, wenn ich sage…» (CM)

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»