Ewige Lohndebatte

Ein Schlag ins Gesicht jeder Frau», «Verzögerungstaktik» nach 37 Jahren, die «Frauen ohne Lobby» im Bundeshaus: die Schlagzeilen zum ständerätlichen Entscheid waren erbost und empört. Was war geschehen? Der Ständerat hatte die Vorlage zur Revision des Gleichstellungsgesetzes an die vorberatende Kommission zurückgewiesen. Auch der neue Vorschlag von Bundesrätin Simonetta Sommaruga, statt der kritisierten «Lohnpolizei» nun alle vier Jahre zumindest eine Lohngleichheitsanalyse in Betrieben mit mehr als 100 Mitarbeitenden einzuführen, fand bei der überwiegend männlich-bürgerlichen Ratsmehrheit keinen Anklang. Immerhin: der Rat trat auf das Geschäft ein. Die grosse Empörung über diese Verzögerung teile ich allerdings nicht – die konservative kleine Kammer bestätigte mir damit bloss ihren Ruf als rurale Sittenwächterin. Natürlich wäre es wünschenswert, der seit 1981 geltende Verfassungsgrundsatz der Lohngleichheit hätte sich schon lange verwirklicht. So funktioniert die Schweiz aber nicht. Den gesellschaftlichen Wandel gesetzlich zu erzwingen, provoziert Widerstand. Solche Anliegen brauchen (leider!) mindestens eine Generation, um allgemein akzeptiert zu werden. Gegen Lohnanalysen ist nichts einzuwenden – diese Daten wären bestimmt aufschluss-, vielleicht in Einzelfällen sogar hilfreich. Doch bezweifle ich, dass sie das probate Mittel sind, um Lohngleichheit herzustellen. Da die Lohnunterschiede in erster Linie zwischen Vätern und Müttern bestehen und nicht zwischen Frauen und Männern, hängt die Lohngleichheit ganz besonders von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ab. Der Weg des geringsten Widerstands ist es heute, als Familie das traditionelle Modell zu wählen. Egalitäre Modelle, die viel private Initiative erfordern, die Frauen aber im Arbeitsprozess behalten würden, wirkten sich auf die Löhne der betreuenden Personen bestimmt rascher aus als weitere Lohnanalysen. Ändert sich nichts an der gängigen Rollenaufteilung, wird sich auch die Lohndebatte noch ewig hinziehen.