Baschi Dürr, zvg.

Ewig lockt die Ewigkeit

Spekulationen erweisen sich meist als trügerisch.

Prognosen sind bekanntlich vor allem dann schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen. Dennoch schleicht sich die Tendenz ein, dass sich Politiker nicht nur Gedanken darüber machen, wohin die Reise gehen könnte, sondern bereits konkrete Gesetze verabschieden, die weit in die Zukunft zielen. Exemplarisch dafür steht die Energiepolitik. Dabei bleibt es ob der vielen technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unbekannten zum grossen Teil Spekulation, wie sich die Welt 2050 und darüber hinaus präsentieren wird. Es genau jetzt für alle Zeiten herausgefunden zu haben und ergo einen detaillierten Weg über mehrere Jahrzehnte definieren zu können, hat sich noch immer als Trugschluss erwiesen. Wir erinnern uns an die Euphorie vor rund 70 Jahren, als die Kernkraft alle Energieprobleme lösen sollte – bis hin zum atombetriebenen Auto. Apropos Kernkraft: Noch weiter in die Zukunft, nämlich – nach menschlichem Ermessen – in die Ewigkeit, gehen die Überlegungen über ein «geologisches Tiefenlager» für nuklearen Abfall. Mit enormem Aufwand wird geplant und vielleicht eines Tages tatsächlich gebaut, um verstrahltes Material für immer zu entsorgen. Dabei stellen weder Unterhalt oder Sicherheit der heutigen Zwischenlager irgendein Problem dar noch wissen wir heute auch nur ansatzweise, was mit Atommüll in hundert oder gar tausend Jahren angestellt werden sollte – und könnte: Vielleicht wird er dann als wertvoller Rohstoff mühsam wieder aus dem Gebiet «Nördlich Lägern» ausgebuddelt. Sich der Ewigkeit auch im göttlichen Ermessen, nämlich der Apokalypse, verschrieben hat sich schliesslich der radikale Arm der sogenannten Klimabewegung. Die sich selbst bezeichnende Letzte Generation geht tatsächlich vom baldigen Ende der Welt oder zumindest der Menschheit aus. Sie verschieben damit den Diskurs vom politischen vollends in den theologischen Raum. Das sei grundsätzlich jedem erlaubt. Es hat sich seit der Aufklärung aber bewährt, zwischen der konkreten Politik hier und jetzt und dem Glauben an die Offenbarung zu unterscheiden.

«Kritische Themen werden
adressiert und gut recherchiert.»
Dani Stüssi, CEO RealUnit Schweiz AG,
über den «Schweizer Monat»