Es geht auch ohne

Es ist unbestritten: Die Schweiz und ihre Banken haben jahrzehntelang gut gelebt von der Verwaltung ausländischer Privatvermögen. Das Geschäftsmodell war immens profitabel. Der typische ausländische Offshore-Kunde benötigte wenig Pflege, wünschte nie Korrespondenz und war weitgehend indifferent, was den Anlageerfolg auf seinem Vermögen betraf. Freilich waren die satten Profite nicht ohne Risiken erhältlich. Sie basierten nämlich […]

Es ist unbestritten: Die Schweiz und ihre Banken haben jahrzehntelang gut gelebt von der Verwaltung ausländischer Privatvermögen. Das Geschäftsmodell war immens profitabel. Der typische ausländische Offshore-Kunde benötigte wenig Pflege, wünschte nie Korrespondenz und war weitgehend indifferent, was den Anlageerfolg auf seinem Vermögen betraf.

Freilich waren die satten Profite nicht ohne Risiken erhältlich. Sie basierten nämlich meist nicht primär auf der einzigartigen Dienstleistung der jeweiligen Bank, sondern auf dem gesetzlich verankerten Wettbewerbsvorteil des Bankkundengeheimnisses. Alle Spieler am Schweizer Bankenplatz mussten damit rechnen, diesen Heimvorteil dereinst zu verlieren. Doch die eigene Verwundbarkeit wurde ignoriert. Dann, mit dem Jahr 2008, kam die Epochenwende.

In der Marktwirtschaft überleben die Paranoiden, diejenigen, die anpassungsfähig bleiben und Veränderungen vorwegnehmen. Doch statt zu antizipieren, wie sich das Umfeld wandeln wird, reagierten viele Banken, inklusive ihr mächtiger Verband, mit Verweigerung. Das Rückzugsgefecht dauerte mehrere Jahre und war am Ende doch nur eines: verlorene, wertvolle Zeit.

Wie also gestaltet sich die Zukunft? Im Kern steht eine simple Frage: Weshalb soll ein ausländischer Kunde künftig, unter einem Regime des automatischen Informationsaustausches, einen Teil seines Vermögens einer Schweizer Privatbank anvertrauen? Es gibt nur eine plausible Antwort: wenn er es nirgendwo professioneller, kompetenter und sicherer verwalten lassen kann.

Neu im Fokus stehen bedingungslose Servicequalität und Professio-nalität in der Anlage. Die Kunden sind anspruchsvoller geworden. Die Servicequalität vieler Schweizer Banken ist im globalen Vergleich hoch – mit einer wichtigen Ausnahme: Im Angebot erstklassiger digitaler Dienstleistungen sind etliche Privatbanken gefährlich in Rückstand geraten. Der aktuell grösste Mangel ist die Anlagekompetenz. Hier sind grosse Anstrengungen nötig, um an Weltklasseniveau anzuknüpfen.

Das Schweizer Banking wird in Zukunft zweifellos weniger profitabel sein. Der Wettbewerb wird härter. Doch die Banken haben ihr Geschick selbst in der Hand. Nichts spricht dagegen, dass sie – genau wie der Schweizer Maschinenbau, die Pharma- oder die Uhrenindustrie – auf dem Weltmarkt brillieren können. Auch ohne Bankkundengeheimnis.