Error: Fachkraft nicht gefunden

Kleine und mittlere Unternehmen suchen händeringend nach Fachleuten. Weshalb können sie die offenen Stellen nicht besetzen? Erkenntnisse aus der Zentralschweiz.

 

Eine Umfrage bei den Mitgliedern des KMU- und Gewerbeverbandes des Kantons Luzern (KGL) im Herbst 2019 ergab: 72 Prozent der antwortenden Unternehmen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Bei den Kleinbetrieben mit 10 bis 49 Mitarbeitenden sind es sogar 83 Prozent. Gemäss Fachkräfteindex des Bundes hat sich der Fachkräftemangel in der Zentralschweiz (LU, SZ, NW, OW, UR) seit 2010 stetig verschärft. Der Index setzt sich zusammen aus der Zuwanderungs- und der Arbeitslosenquote, der Quote der offenen Stellen und dem Deckungsgrad. Letzterer zeigt auf, wie viel Prozent der aktuell besetzten Stellen eines Berufes sich theoretisch durch entsprechend qualifizierte Erwerbspersonen abdecken lassen. Stärker vom Fachkräftemangel betroffen als die Zentralschweiz sind gemäss diesem Index nur die Region Zug-Zürich sowie Graubünden. Schweizweit hat der Fachkräftemangel im Bereich Information und Kommunikation am stärksten zugenommen. Der Index stieg hier von 2010 bis 2018 um 49 Prozent.

Wie zeigt sich der Fachkräftemangel in den KMU?

Gemäss der KGL-Umfrage erhalten KMU vielfach schlicht keine Bewerbungen auf Stellenausschreibungen oder es bewerben sich Personen, die nicht über die nötige Qualifikation oder Erfahrung verfügen. Bei den vom Fachkräftemangel betroffenen KMU fehlen bei 73 Prozent Mitarbeitende mit abgeschlossener Berufslehre, bei 37 Prozent Fachkräfte mit zusätzlichem Abschluss beziehungsweise Kaderleute, bei 14 Prozent Fachkräfte mit Eidgenössischem Berufsattest.

Zudem haben die KMU Mühe, die ausgebildeten Fachkräfte im Betrieb zu halten. Im Vergleich zu Grossunternehmen sind KMU nur beschränkt in der Lage, berufliche Perspektiven und attraktive Löhne zu bieten. Fehlende Fachkräfte führen dazu, dass sie Aufträge nicht annehmen können und Expansionspläne in erfolgversprechende Geschäftsfelder stoppen müssen.

Warum hat sich der Fachkräftemangel in den letzten Jahren stetig verschärft?

Aus Sicht der befragten Unternehmen werden zu wenig Fachleute ausgebildet. Das liegt unter anderem an sinkenden Schülerzahlen, aber auch an einer Verschiebung der Ausbildung hin zur gymnasialen Maturität oder anderen Bildungswegen. Der verschärfte Fachkräftemangel wird aber auch von neuen oder anspruchsvolleren Arbeitsfeldern getrieben, für die nicht ausreichend qualifizierte Arbeitnehmende zu finden sind. Im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie müssen beispielsweise bis 2022 schweizweit 46 400 IT-Fachkräfte ersetzt und 40 600 IT-Fachkräfte zusätzlich rekrutiert werden, so eine Studie des Econlab 2014.

Wer steht in der Verantwortung?

Gefragt sind alle Akteure, darunter der Bund, die Kantone und die Betriebe selber. Der Bund hat mit der Fachkräfteinitiative viele Anstösse gegeben; die Kantone haben eine Vielzahl der Massnahmen umgesetzt – beispielsweise die Sensibilisierung auf verschiedenen Schulstufen für die sogenannten MINT-Berufe. Darüber hinaus haben viele Kantone eigene Initiativen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels lanciert.

Grössere Betriebe widmen dem Thema in der Regel eigene Projektgruppen und investieren in Programme zu Talentmanagement, Employer Branding und Retention Management. Einige Unternehmen setzen auch konsequent den «Make-or-Buy»-Gedanken um: Wo keine Fachkräfte rekrutiert werden können, bilden sie diese selber aus. Technische Qualifikationen werden in unternehmensinternen Ausbildungsstätten vermittelt und mit Zertifikat abgeschlossen – dies neben dem üblichen Engagement als Ausbildungsbetrieb für Lernende. Für KMU ist es aufgrund ihrer knappen Ressourcen sehr herausfordernd, die Fachkräftesicherung konsequent anzugehen.

«Im Vergleich zu Grossunternehmen sind KMU nur beschränkt in

der Lage, berufliche Perspektiven und attraktive Löhne zu bieten.»

Welchen Beitrag kann der Werkzeugkasten zur Fachkräftesicherung leisten?

Weil sich viele durch die zahlreichen auf Bundes- und Kantons­ebene getroffenen Massnahmen überfordert sehen, haben wir ihnen einen Werkzeugkasten zur Verfügung gestellt. Darin wird die Vielzahl der Massnahmen und Best Practices von Bund und Kantonen auf jene reduziert, die den lokalen Rahmenbedingungen Rechnung tragen. Die KMU können sich so zu ihren spezifischen Fragestellungen einen Überblick verschaffen und sich von Best Practices inspirieren lassen. Der Werkzeugkasten dient als Plattform, um die Anstrengungen der Unternehmen in einer Region sichtbar zu machen, zu bündeln und zu steuern. Ebenso kann er Ausgangspunkt für neue Ideen sein: So entwickelten die Präsidenten der Branchenverbände der Zentralschweiz…

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