Christine Brand, zvg.

Erkenntnis im
Töff-Grundkurs

Altersgelassenheit war für mich bislang nicht mehr als ein geflügeltes Wort. Seit kurzem weiss ich jedoch genau, was damit gemeint ist. Die Erkenntnis ereilte mich in der Fahrschule, im Töff-Grundkurs, um genau zu sein. Mit meinen noch nicht ganz, aber fast schon fünfzig Jahren war ich erwartungsgemäss die ­älteste Teilnehmerin. Die anderen Kursbesucher hätten alle meine Kinder sein können, fast schon meine Grosskinder, wenn ich früh ­damit angefangen hätte.

Ich besuchte den Kurs nicht, um mir aufgrund einer ­Midlife-Crisis für meine zweite Lebenshälfte das Image ­einer Rockerbraut zuzulegen. Vielmehr nutzte ich eine ­Gelegenheit, weil ich mir für einen Monat den Roller einer Bekannten ausleihen konnte. Mein Ziel war, dass ich das nächste Mal, wenn ich im Ausland einen Roller miete, einen gültigen Fahrausweis vorweisen kann.

Kaum hatte ich mich für den Grundkurs angemeldet, ­realisierte ich, dass der ausgeliehene Roller eine gelbe ­Nummer trägt. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt gefühlt – der Tacho ist kaputt – nicht bei den erlaubten 50, sondern eher bei 45 Stundenkilometern. Mein Fahrlehrer zeigte sich nachsichtig; ich könne trotzdem am Kurs teilnehmen. Auch das Problem mit dem zu grossen Helm bekam ich in den Griff: Ich zog eine Wollmütze darunter an. Als mich der Fahrlehrer das erste Mal damit sah, biss er kurz in den Sattel.

So kam es also, dass ich als Menopausegrossmutter mit ­einem blauen L neben meiner gelben Nummer auf einem ­alten italienischen Fünfzigertöffli in möglichst windschnittiger Sitzposition versuchte, mich ausserorts nicht von der Jungmannschaft auf ihren nigelnagelneuen Vespas abhängen zu lassen – was mir natürlich nicht gelang. Mehr noch: Ging es abwärts, wurde ich mitunter von E-Bikes überholt.

Es gab Zeiten in meinem Leben, da wäre mir dieser Auftritt wohl peinlich gewesen. Mit meiner neugewonnenen ­Altersgelassenheit aber kann ich mit einem Schmunzeln darüber hinwegsehen. Man fühlt sich freier, wenn man sich nicht darum kümmern muss, was die anderen denken.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»