Erfolgreiches Scheitern

Was wir von Studienabbrechern lernen können.

 

Jeder am Institut kannte die ewigen Studenten, prädestinierte Studien­abbrecher. Wenn man sie darauf ­ansprach, und ich sprach sie als Assistent darauf an, kamen Antworten wie, dass jetzt unbedingt die Wohnung wieder mal neu gestrichen werden müsse oder dass das Jahr in der Kommune ihnen mehr gebracht habe als alles bisherige Studieren. Schön für sie, schlecht für die Steuerzahler. Die Philosophen unter ihnen brachten ein «Der Weg ist das Ziel» zu ihrer Verteidigung vor. Nun, der Weg zum Ziel ist sicher wichtiger als das Diplom, das man dann am Schluss in Händen hält – aber nur, wenn man die Widerstände auf dem Weg zum Ziel auch überwindet. Sonst verkommt das Motto zum Bonmot für Taxifahrer.

Zwei Studenten, die ich betreute, hatten die originellste aller Antworten: Sie seien mit dem Aufbau der eigenen Firma beschäftigt! Sie konnten mir zwar nicht erklären, was sie in der Firma eigentlich machten, etwas mit Bilderkennung und Matrizen. Aber es gehe sehr gut und sie könnten jetzt einfach nicht aufhören. Die Entgegnung, dass man doch sicher bis zum Abschluss Vollgas geben und danach weiter die Firma aufbauen könne, kam nicht an, ebenso wenig Appelle wie: In 20 Jahren würden sie es bereuen und dann sei es zu spät. Sie würden nie abschliessen. Ich zitierte aus Bibel und Dantes «Göttlicher Komödie», appellierte an Lebensweisheit, gesunden Menschenverstand und sah sie dann lange nicht mehr.

20 Jahre später begegnete ich in Zürichs Gassen einem der beiden. Er erkannte mich zuerst nicht, was ich auf sein schlechtes Gewissen zurückführte, welches höchstwahrscheinlich aber nur in meiner Fantasie existierte. Wir drei trafen uns zum Essen, zu dem sie mich stolz einluden. Die Firma hatten sie für gutes Geld verkauft, der eine hatte danach noch drei Firmen ebenfalls erfolgreich gegründet und verkauft und arbeitete am Aufbau einer weiteren Firma. Der andere arbeitete in führender Position in der Software-Entwicklung bei einem Weltkonzern. Ich verstand immer noch nicht, was die beiden in der Firma gemacht hatten, klar war aber, sie hatten ein Vielfaches mehr als ich verdient. Tröstlich immerhin: Ich habe recht behalten – sie haben ihr Studium bis heute nicht abgeschlossen!

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»