Energiewende – wohin?

Über Lücken in der aktuellen Energiediskussion

Energiewende – wohin?
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«Die Energiewende ist eine Wende ins Nichts.» Diesen Satz hat der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn jüngst im «Monat» zu Protokoll gegeben.1  Man muss nicht so weit gehen wie Sinn, um zu konstatieren: Die Energiewende gehört zu den ambitiösesten und darum zweifellos auch riskantesten politischen Projekten der Gegenwart. Es scheint uns darum angezeigt, in unserem Themenschwerpunkt ein paar kritische Fragen aufzuwerfen:

Ist Stromsparen eine realistische Option in einer Welt, die ihren Wohlstand dem Wirtschaftswachstum und also auch wachsendem Stromverbrauch verdankt?

Strom ist für die Verbraucher so billig wie noch nie – dank Subventionen und festen Abnahmepreisen für Alternativstrom. Wer bezahlt heute die Rechnung? Und wer bezahlt sie morgen?

Sonne und Wind schicken keine Rechnung, heisst es. Wie viel Energie vermögen diese Quellen aber realistischerweise zu liefern und wie gross ist die Chance, dass sich die Speicher- und Transportmöglichkeiten für Alternativstrom in nützlicher Frist substantiell verbessern?

Mit welchen technologischen und finanziellen Mitteln decken wir den Rest unseres Energiebedarfs? Konventionelle Kraftwerke müssen bereitstehen, um Regentage und Flauten zu überbrücken, sind aber wegen der übermässigen Förderung neuer Energien nicht mehr konkurrenzfähig – müssen sie nun ebenso wie der Alternativstrom subventioniert werden?

Kann es der Sinn der Energiewende sein, dass sich der Bau grösserer Wasserkraftwerke in der Schweiz nicht mehr lohnt?

Wie ist es mit den Zielen der Energiewende zu vereinbaren, wenn die Schweiz von einem System «Wasserkraft plus Kernenergie ohne CO2-Emission» auf ein neues System «Wasserkraft plus erneuerbare Energie plus fossil-thermische Energie plus ansteigende CO2-Emission» umsteigt?

Was bedeutet es, dass Mitteleuropa mitten in einer Energiewende steckt, während die USA gerade fossile Energieträger wie das Schiefergas neu entdecken?

Unsere Autoren kennen nicht alle Antworten auf diese Fragen. Letztere aber nur schon klar zu formulieren, wie sie dies im folgenden Dossier tun, verspricht Ihnen, liebe Leser, einen echten Erkenntnisvorsprung in der aktuellen Energiediskussion.

Die Redaktion

 


1 Hans-Werner Sinn im Gespräch mit René Scheu: «Wende ins Nichts», Ausgabe 1016 (Mai 2014), S. 30 ff.

 

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»