Einzelkämpfer bringen es nicht weit

Georg von Krogh erforscht, was Strategien erfolgreich macht. Studenten rät er, auf Dialog statt Monolog, auf Mitarbeit statt Egotrip zu setzen. Und sich eine simple Frage immer wieder zu stellen: Wie möchte ich eigentlich mein Leben leben?

Einzelkämpfer bringen es nicht weit

Herr von Krogh, die Rede vom Kampf um Talente geht um. Wer sucht denn heute eigentlich wen aus: die Studenten die Hochschule oder die Hochschule die Studenten?
Studenten wollen gute Studienplätze. Und der Wettbewerb um diese Plätze hat sich in den letzten Jahren massiv verschärft. In unserem Departement Management, Technology and Economics an der ETH können wir mittlerweile bloss etwa ein Drittel der Bewerbungen berücksichtigen. Zugleich ist es so, dass die ETH in einem Wettstreit mitspielt, in dem sie um die Gunst der besten Studenten der Welt buhlt. Unser Bildungsangebot muss so attraktiv sein, dass die brillanten Köpfe aus der Schweiz, Indien, China oder auch Skandinavien für ihr Masterprogramm an die ETH kommen – statt ans MIT zu gehen.

Das ist der globale Bildungswettbewerb im Jahre 2012. Wer vor zehn Jahren in der Schweiz studierte, traf auf eine überschaubarere Lage.
Wenn Sie damit gemütlich meinen, hat dies mit der heutigen Situation in der Tat wenig zu tun. Die jungen Leute sind heute mobil und extrem ambitioniert. Als ich 1994 als Professor für Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen anfing, waren Ausbildung und Forschung noch relativ regional ausge­richtet. Die meisten Studenten kamen aus der Schweiz, einige aus Österreich und Deutschland. Heute ist es so, dass die Hochschulen von überall her Bewerbungen bekommen. Dies gilt gerade für die Schweiz. Die Hochschulen haben ein Topniveau, die Schweizer sind kosmopolitisch und das Land beherbergt tolle Firmen.

Was treibt die Studenten an: die Aussicht auf eine lukrative Karriere oder die wissenschaftliche Neugier?
Einige Studenten sind im Studium extrinsisch motiviert. In der Wissenschaft sprechen wir von einem separable outcome: Ich will ein gutes Ergebnis erreichen, anhand von Zielen, die mir von aussen vorgegeben werden. Aber es gibt auch die anderen, denen es um die Sache geht. Solche Studenten diskutieren viel leidenschaftlicher. Sie begreifen: Um den Stoff zu verstehen, muss ich mich reinknien und durchbeissen, muss ich eine klare Position einnehmen.

Sie mögen diesen wissenschaftlichen Kampfgeist.
Klar. Und ich glaube: Die intrinsisch motivierten Studenten, die es nicht in erster Linie auf gute Noten abgesehen haben, erzielen am Ende zumeist die besten Noten. Ich finde es aber absolut okay, wenn Studenten ihre Hochschuljahre als Mittel zum Zweck sehen. Sie sollen ihren Spass haben, keine Frage, aber ohne ein klares Ziel vor Augen ist es schwierig, jene Leistung abzuliefern, die wir von unseren Studenten verlangen.

Dazu bedarf es eines motivierenden Umfelds. Sind Sie ein guter Motivator?

Das müssen Sie meine Studenten fragen. Aber jemanden für eine Frage, ein Problem oder eine Theorie zu begeistern, das ist es, was mich selbst als Professor antreibt. Was ursprünglich extrinsisch motiviert war, beispielsweise eine gute Note zu bekommen, wird plötzlich zu etwas, das man tut, weil es Spass macht. In der Motivationstheorie spricht man von der internalisierten extrinsischen Motivation: Das ist es, was ich in meinen Kursen zu erreichen suche.

Aus Sicht der Studenten heisst das: Ich bin nicht mehr der brave Konsument, und mein Professor ist nicht mehr der Allwissende, der mich belehrt.
So ist es! Die Wissensvermittlung hat sich radikal verändert. Der Frontalunterricht ist nur noch ein Teil des Unterrichts. An die Stelle des professoralen Monologs ist der Dialog zwischen Professor und Studenten getreten. Wir sehen uns alle als Lernende, die dasselbe Ziel verfolgen: Wissen zu schaffen, zu vertiefen, zu verändern. Klar, der Professor hat mehr Erfahrung und einige Bücher mehr gelesen, aber auch er lernt ständig dazu.

Das klingt nach Wissenscommunity, einem alten Ideal der Wissenschaft.
Ja, warum nicht? Aber auch die Studenten untereinander bilden eine Community. Sie sind häufig eingebunden in Gruppenarbeiten, sie müssen Fallstudien präsentieren und werden in Forschungsprojekte involviert. Wenn wir interessante…

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Heinrich von Kleist, Nick Hayek, Mark Zuckerberg – sie alle haben ihr Hochschulstudium frühzeitig hingeschmissen. Sie sahen ihre wertvolle Zeit und Energie anderswo besser investiert, verfolgten eine «freie Geistesbildung» oder gründeten ein Unternehmen. 72 Prozent der Studenten an Schweizer Hochschulen gehen einen anderen, manchmal ebenso abenteuerlichen Weg. Zum Beispiel Fabian. Er beklettert überhängende Wände und […]

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Beim MONAT passiert mir das ständig.»
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