Eine Waschsalonbetreiberin  rettet die Welt
Bild: A24.

Eine Waschsalonbetreiberin
rettet die Welt

Während viele Studios mit Fortsetzungen, Spin-off-Serien und Neuverfilmungen auf die sichere und lukrative Schiene setzen, wagt A24 mit «Everything Everywhere All At Once» wieder einmal Originalität.

Evelyn Quan Wang verliess China als junge Frau und zog mit ihrer Jugendliebe in die USA. Dort betreibt sie einen Waschsalon, kämpft mit Finanzproblemen und einer Ehekrise, als sie eines Tages aus einem Paralleluniversum kontaktiert wird. Sie ist die einzige Hoffnung, alle Universen zu retten. Aber Evelyn, fabelhaft gespielt von Michelle Yeoh, ist nicht unmittelbar daran interessiert. Denn sie hat in dieser Welt schon genug Probleme.

«Everything Everywhere All At Once» ist Superheldenfilm, Komödie und Sci-Fi in einem. Die Geschichte scheint dem gleichen Trend zu folgen wie beispielsweise Christopher Nolans «Tenet». Unkonventionelle Erzählstränge durchziehen eine Welt, die mit Zeitverzerrung, Erinnerungsverlust oder alternativen Realitäten fasziniert. Es geht um grosse, metaphysische Fragen, wie Identität, Liebe und Schicksal. Diese Art von Geschichte riskiert, dass Charaktere und deren innere Konflikte zu kurz kommen. «Everything Everywhere All At Once» macht diesen Fehler nicht, die Figuren sind glaubwürdig und ansprechend.

Der Film übernimmt sich etwas, wenn er im Höhepunkt versucht, den Sinn des Lebens zu ergründen. Liebesbeziehungen glaubhaft, komplex und unvollkommen darzustellen, ist jedoch genug und sogar besser, als dem Publikum plump zu sagen, dass Liebe die ultimative Antwort sei. Doch wenn der grösste Schwachpunkt an einem Film ist, dass er die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht vollends überzeugend beantworten kann, dann ist das schon Kritik auf sehr hohem Niveau. Ausserdem ist es gut, wenn sich Filmemacher an solchen Herausforderungen versuchen.

Gute Kunst braucht Risikobereitschaft. Das US-Studio A24, welches den Film finanzierte und vertreibt, versteht das. Dies demonstrierte es schon bei dem Oscar-prämierten «Moonlight» sowie bei den originellen Horrorfilmen «Hereditary» und «Midsommar», welche es ebenfalls mitproduzierte und vertrieb. Mit seinem Gespür für neuartige Ideen kultiviert das Studio eine wachsende Fangemeinde. In Zeiten von konsolidierten Studio-Riesen, welche mehr und mehr auf «sichere» Franchises und bekannte Stoffe setzen, ist das sehr erfrischend. (mg)

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dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
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